Schiffelholz glänzt im K 4

Füssen (ha). Entspannt spielt Uli Schiffelholz am Schlagzeug mitreißende Kompositionen, die er selbst geschrieben hat oder einer Jazzlegende wie John Coltrane zu verdanken sind. Mit dabei im Quartett beim umjubelten Auftritt im Füssener Kulturcafé K 4 ist der großartige Karlsruher Saxofonist Jörn Reitz. Der lautstarke Beifall des Publikums gilt nicht zuletzt Dirk Wochner am Piano sowie dem Bassisten Hansjörg Schiffelholz. Er ist mit 33 Jahren fünf Jahre älter als sein Bruder, der in den nächsten zwei Stunden mit seinen Schlagstöcken das Tempo bestimmt und für einen heißen Frühlingsabend sorgt - selbst dabei aber nicht ins Schwitzen gerät.

John Coltrane kommt bekanntlich nicht aus Marktoberdorf. Hier sind die Brüder Schiffelholz aufgewachsen und haben zu der Jazzgröße aus den USA in riesigen Schritten ein künstlerisches Verwandtschaftsverhältnis aufgebaut, das sie als Musikstudenten noch weiter verfestigten. So bildete Uli Schiffelholz in Mannheim sein Talent aus. Hier überzeugte er als 'Prüfling' die Professoren der renommierten Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und findet auch viel Anklang bei den Jazzfreunden, die ins Kulturzentrum 'Alte Feuerwache' strömen. Mannheim hat nicht nur die junge Popakademie, sondern auch eine lange Tradition im Jazz. Wer hier Applaus für ein Solo bekommen will, sollte besonders kritische und durch den regelmäßigen Besuch von Jazzgrößen verwöhnte Zuhörer mit seinen Leistungen überzeugen. Wie sein Gastspiel mit den beiden badischen Musikerkollegen und dem in Freiburg im Breisgau lebenden älteren Bruder Hansjörg in der Allgäuer Heimat erahnen ließ, trommelte sich Schiffelholz in Mannheim ganz locker und 'easy' in die erste Reihe.

'Heute wohne ich im hessischen Offenbach und kann von meiner Musik leben, weil ich neben unseren Auftritten in Jazzkellern und bei Festivals auch Schüler unterrichte', sagte er während der Konzertpause unserer Zeitung. Die nur knapp 30 Zuhörer im Kulturcafé kamen auch im zweiten Set voll auf ihre Kosten. Dass sein hervorragend aufeinander eingespieltes Quartett einen eigenen Stil pflegt, wird bei allen Stücken und besonders bei der Interpretation von John Coltranes Klassiker 'Giant Steps' deutlich. Das Schlagzeug gibt keinen Viervierteltakt vor. Es 'zwingt' die drei anderen Instrumente in den ungewöhnlichen Siebenviertel-Rhythmus. 'Wir haben so viele neue Melodien im Kopf und wollen demnächst auch eine CD aufnehmen.' Das Quartett in der jetzigen Besetzung mit dem Saxofonisten Jörn Reitz ist - wie das K 4-Konzert anklingen ließ - auf dem besten Weg, die eigenen musikalischen Träume zu verwirklichen.

'Klasse!', meint ein Zuhörer, der schon häufiger selbst als Bassist auf der improvisierten K 4-Bühne stand. 'Normalerweise muss man als Füssener weit fahren, um so guten Jazz zu hören.'

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