Schieben eine riesen Bugwelle vor uns her

Kempten (sf). - Tiefbauamtsleiter Volker Behler fand deutliche Worte im Finanzausschuss: 'Wirtschaftlich gesehen machen wir Unsinn.' Gemeint waren damit die heuer vorgesehenen Ausgaben für den Straßenunterhalt. Denn statt rund 600000 Euro ('die bräuchten wir, allein um das jetzige Niveau zu halten'), stehen bisher nur 300000 Euro zur Verfügung. Behler: 'Damit schieben wir aber eine riesen Bugwelle vor uns her, die immer noch größer wird.' Ein kleiner Rettungsanker könnte die Schlüsselzuweisung vom Freistaat sein, die höher als erwartet ausfällt. Wenn für die maroden Straßen im Stadtgebiet nicht genügend Geld vorhanden ist, um sie zu erneuern, fallen laut Behler in späteren Jahren umso höhere Kosten an. Denn, so der Amtsleiter, werden die Schäden an den Fahrbahndecken nicht behoben, gehe der Frost auch in die Tiefe und zerstöre die unteren Schichten der Straße. Und dann werde eine komplette Erneuerung fällig, die viel teurer komme. 'Mit 300000 Euro wissen wir nicht, wo wir anfangen sollen', erklärte Behler. 'Da sparen wir doch am falschen Fleck', meinte Stadtrat Helmut Allgeier. 'Dessen sind wir uns bewusst', antwortete Baureferentin Monika Beltinger: 'Aber wenn wir bei den laufenden Kosten sparen müssen, können wir nur noch da Geld ausgeben, wo es brennt.' 'Vielleicht müssen wir das nochmal überlegen', erklärte dazu Oberbürgmeister Dr. Ulrich Netzer. Denn die Schlüsselzuweisung falle mit 6,8 Millionen Euro um 545000 Euro höher aus als erwartet. Und da sei die Frage, ob man am Ende der Haushaltsberatungen weniger aus den Rücklagen entnehme oder das Mehr an Zuweisungen in solche Maßnahmen wie den Straßenunterhalt stecke. Mit 100000 bis 150000 Euro könnten laut Behler drei Straßendecken mehr erneuert werden und damit weniger an Folgekosten entstehen.

Kostenfaktor Brunnen Was das Stadtbild verschönert oder die Kinder erfreut, hat auch eine Kehrseite - nämlich dann, wenn die Kosten für den Unterhalt anfallen. Das zeigt sich beispielsweise bei den vielen neuen Brunnen, die in den vergangenen Jahren entstanden: Für deren Unterhalt muss die Stadt heuer 45000 Euro einplanen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 22000 Euro und 2002 sogar nur 9700 Euro. Ähnliches bei Spiel- und Bolzplätzen: Dafür sind in diesem Jahr 35000 Euro vorgesehen. 2003 waren es 27000 Eruo, 2002 nur 14500 Euro. Weit teurer kommt aber der Winterdienst, für den heuer 685000 Euro an Mitteln eingestellt sind. Dazu rechnete Betriebshofleiter Uwe Gail vor: Allein für einen Tag, an dem es so stark schneit wie am vergangenen Wochenende und mit rund 50 Fahrzeugen alle im Einsatz sind, summieren sich die Personal- und Materialkosten auf satte 36000 Euro. Auch Gebäude warten Zwar nicht die Bugwelle wie beim Straßenunterhalt, aber doch einen Berg von Sanierungen an städtischen Gebäuden schiebt das Hochbauamt vor sich her. Und auch da hieß es heuer abspecken: Statt zunächst veranschlagten 3,3 Millionen stehen nur zwei Millionen Euro zur Verfügung. Das wird irgendwann nicht mehr ausreichen. Wie Amtsleiter Hans Henkel erläuterte, müsse beispielsweise die Wärmedämmung der obersten Geschossdecken laut Energieeinspar-Verordnung bis 2005 erfolgen. Doch heuer wurden wieder 120000 Euro an der Stelle gestrichen.

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