Scheuchen schützen Kitze vor dem Tod beim Mähen

Marktoberdorf (hu). - Die Jäger und Jagdausübungsberechtigten sind in diesen Tagen nicht nur im Ostallgäu verstärkt in ihren Jagdrevieren im Einsatz: Zusammen mit den Landwirten versuchen sie, möglichst viele Rehkitze vor dem Tod beim Mähen der Wiesen zu bewahren. Heinz Losch aus Geisenried und viele seiner Jagdgefährten schwören dabei auf Wildscheuchen, die, am Vorabend der Mahd in den Wiesen aufgestellt, die Rehgeißen veranlassen, ihren Nachwuchs in Sicherheit zu bringen. Die Bauern sind für diese Aktion glücklicherweise sehr aufgeschlossen. Heinz Losch, seit Jahrzehnten Waidmann, berichtete in der Jägerversammlung über die Situation. Die so genannte Setzzeit der Rehgeißen fällt Jahr für Jahr mit dem ersten Grasschnitt zusammen. Besonders in waldnahen Wiesen bringen die Rehgeißen ihren Nachwuchs - ein oder auch zwei Kitze - zur Welt. Technische Methoden, die Kitze von dort in den schützenden Wald zu vertreiben, führen nicht zum Erfolg. Es gibt Blinklampen mit einem grellen Pfeifton, Geräte mit Infrarot-Strahlen und einem Warnton und auch so genannte Wildretter, eine Art großer Kamm mit Kunststoffzähnen, die das Jungwild aus dem Gras heben sollen. Alle diese Methoden sind meist ziemlich erfolglos, weil das Mähen mit moderner Technik immer schneller geht. 'Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass die schon in den 60-er-Jahren von unserem damaligen Kreisvorsitzenden Josef Bayer bayernweit propagierte Methode mit den Wildscheuchen die wirkungsvollste ist', sagt Heinz Losch. In der Abenddämmerung vor dem Mähtag stellt Losch die Wildscheuchen in Abständen von rund 100 Metern in die Wiese und erzeugt mit einer Pfeife den 'Kitzlaut', das Fiepen der Rehkitze. Das signalisiert der Rehgeiß große Gefahr für ihren Nachwuchs und sie versucht mit Locken und Stupsen, das oder die Kitze aus der Wiese an den schützenden Waldrand zu bringen.

Kitz nicht 'verstänkern' Am nächsten Morgen kann Losch kontrollieren, ob die Methode erfolgreich war. Er ahmt den 'Kitzlaut' nach - muss dabei aber in Deckung sein. Ist das Kitz noch in der Wiese, wagt sich die Rehgeiß aus ihrem Versteck und verrät dann die Stelle, an der das Kitz noch in der Wiese liegt. So besteht die Möglichkeit, das Kitz, ohne es zu berühren und damit zu 'verstänkern', aus der Wiese zu tragen. In diesem Fall ist es zweckmäßig, dem Kitz etwas überzustülpen, damit es nicht vor dem Mähen in die Wiese zurückläuft. Geschieht das mit der gebotenen Vorsicht, nimmt das Muttertier das Kitz wieder an und umsorgt es, wenn die Gefahr vorbei ist. 'Ich freue mich über jedes gerettete Tier und auch darüber, dass die meisten Landwirte gerne mit uns Jägern zur Verhinderung des Mähmaschinentodes der Rehkitze zusammenarbeiten', versichert Losch. Für ihn und seine Jagdgefährten arten diese Tage des ersten Grasschnittes 'schon fast in Stress aus'. 'Aber das ist ein wichtiger Teil unserer Hegeaufgaben im bewährten Reviersystem - und es ist auch ein gutes Gefühl, wenn man zur Rettung junger Wildtiere beitragen kann', gesteht der passionierte Waidmann. Die gesamte Bevölkerung kann für die Wildtiere sehr viel tun, wenn sie in der freien Natur' das Wild möglichst wenig beunruhigt und vermeintlich verlassene Jungtiere nicht berührt.

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