Kempten
Schauspieler raten von Stück ab

Für Aufregung sorgte die Schulvorstellung des Edward- Albee-Stücks «Die Ziege oder Wer ist Sylvia?» im Theater in Kempten (TiK): Auf Anraten der Schauspieler verließen die Lehrer des Allgäu-Gymnasiums mit den 7. und 8. Klassen (rund 250 Schüler) vor Beginn der Vorstellung das Theater. Hintergrund: In dem Drama geht es um den Zerfall einer Familie. Ausgelöst wird die Katastrophe durch das Bekenntnis des Familienvaters, eine Ziege zu lieben - auch sexuell.

Als am Freitagmorgen Hauptdarsteller August Zirner die ersten Schulklassen ins Kemptener Theater marschieren sah, war er offensichtlich irritiert. Viele Schüler kamen ihm sehr jung vor - zu jung für das Albee-Stück, das in drastischer Sprache Tabuthemen aufgreift. «Wir haben daraufhin mit den Lehrern gesprochen, und die haben uns gesagt, dass sie das Stück mit ihren Schülern im Vorfeld besprochen haben», erklärt TiK-Sprecherin Ulrike Schad. Schauspieler Alexander Duda habe jedoch deutlich gemacht, dass es in dem Theaterstück eindeutig um Sexualität gehe und der Besuch der Vorstellung in der Verantwortung der Lehrer liege. Daraufhin entschieden sich die Lehrer der 7. und 8. Klassen des Allgäu-Gymnasiums das Stadttheater zu verlassen, so Schad. Ältere Schüler (auch der Fachoberschule und der Berufsoberschule) blieben jedoch.

Keine Altersbeschränkung

«Wir werden jetzt für die betroffenen Klassen Ersatzvorstellungen anbieten», sagt Schad. Von Seiten der a.gon Theaterproduktion, die die Inszenierung von Christian Stückl als Tourneefassung präsentierte, habe es keine Altersbeschränkung für «Die Ziege» gegeben.

Ursprünglich sei Heinrich Bölls «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» als Schulvorstellung geplant gewesen, erzählt Schad. Doch dies habe sich nicht realisieren lassen. «Wir arbeiten intensiv mit Schulen zusammen», betont Ulrike Schad. Pro Spielzeit biete das TiK drei Lehrerstammtische, zu denen 180 Schulen im ganzen Allgäu sowie die Schulämter eingeladen würden, um etwa Schulvorstellungen zu besprechen. Die Auswahl der Stücke sei Sache der Lehrer. Über 4000 Schüler besuchten in der Spielzeit 2008/2009 insgesamt neun TiK-Schulvorstellungen.

In der aktuellen Spielzeit gibt es laut Schad bislang über 3000 Anmeldungen (12 Vorstellungen).

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