Gestratz
Schaber: Nicht mit «Taschengeld» abspeisen lassen

«Wir geben ein jämmerliches Bild ab» - mit dieser Aussage eines Landwirtes sah sich der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, bei der Jahresversammlung des Kreisverbandes Lindau konfrontiert. Er konterte mit der Forderung: «Wir dürfen uns kein Image-Problem einreden lassen».

«Politik wird immer nach Mehrheiten gemacht», sagte Schaber. So gesehen seien Bauernverband und BDM nicht dazu verpflichtet, eine einheitliche Strategie zu vertreten. Vielmehr sollte anhand des Mehrheitswunsches gehandelt werden - und die Mehrheit der milcherzeugenden Landwirte wünsche eine Mengensteuerung und einen guten Preis, so Schaber, der auch Präsident des «European Milk Board» ist. Die Politik arbeite aber nicht in diesem Sinne, sondern vertrete die Interessen von Molkereien und Konzernen. Und sie könne sich auf die Führung des Bauernverbandes stützen.

Ein «Image-Problem» habe der BDM allenfalls dahingehend, dass es nicht gelungen sei, die von der Europäischen Union zugesagten Mittel deutlicher als «Taschengeld» für die Bauern anzuprangern. In der Öffentlichkeit sei der Eindruck entstanden, mit den insgesamt 750 Millionen Euro sei den Bauern geholfen: «Da sich dies auf verschiedene Maßnahmen verteilt, kommt eine erste konkrete Zahlung aber erst im Herbst 2010 bei den Milchbauern an - und zwar ein zusätzliches Cent pro Kilogramm gelieferter Milch». Und er fasst unter Applaus zusammen: «Mit diesem Taschengeld dürfen wir uns nicht abspeisen lassen».

«Entschlossenheit fehlt»

Mit der Beteiligung am Milchstreik im Herbst in Deutschland zeigt sich Schaber nicht zufrieden: «Wenn die eigene Entschlossenheit fehlt, dann kommt ein Streik nicht richtig in Gang». Froh sei er, dass alles «gelassener als letztes Jahr» abgelaufen sei. Das Streiten innerhalb der Bauernschaft sei nicht sinnvoll. Allerdings sei eine Zusammenarbeit zwischen dem BDM und dem Bauernverband «kaum möglich, weil konträre Wege gegangen werden». Der Bauernverband wolle über Ausgleichszahlungen «das Schlimmste verhindern». Zur Markt- und Mengensteuerung gibt es nach Ansicht von Schaber aber keine Alternative.

Vor Schaber hatte der Kreisvorsitzende Armin Eugler (Grünenbach) angesichts des niedrigen Milchpreises den knapp 300 Zuhörern in der Gestratzer Argenhalle das langsame Sterben eines Bauern schilderte: «Erst bleiben die Investitionen aus, dann versucht man sich in die Rente zu retten». Nicht jeder Landwirt habe die Möglichkeit, seinen Betrieb aufzugeben, wenn er sich nicht mehr rechne: «Nicht jeder kommt auf dem Arbeitsmarkt unter». Und Eugler zeigte auf, wie sich der innerhalb eines Jahres um 10 Cent gesunkene Milchpreis konkret auswirkt: «Im Landkreis erzeugen wir 80 Millionen Kilogramm Milch, so dass wir insgesamt 8 Millionen Euro weniger eingenommen haben. Und das bedeutet auch einen Kaufkraftverlust von 8 Millionen Euro im Landkreis».

Diese Zahl schockierte auch Landrat Elmar Stegmann. Er war nach Gestratz gekommen, um zu zeigen, «dass ich an ihrer Seite stehe». Und er bilanziert: «8 Millionen Euro weniger Einkommen, das spüren in der Folge auch die Handwerksbetriebe mit weniger Aufträgen, das spürt der Einzelhandel. Das ist eine erschreckende Zahl». Aber er mahnt auch zur Geschlossenheit in der Bauernschaft: «Es ist schlimm zu sehen, dass aufgrund der Entwicklung Risse durch Gemeinden oder sogar Familien gehen». Eine Möglichkeit, zusätzlich Geld zu verdienen, sei der geplante Landschaftspflegeverband, wirbt der Landrat.

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