Salzstangen statt Zigaretten

von volker geyer | Memmingen Schon von weitem sehe ich sie, die Raucher, wie sie schlotternd vor dem Münchner Kindl stehen und ihrer Sucht frönen. Das Rauchverbot in Gaststätten hat sie auf die Straße verbannt. Ich geselle mich dazu, denn auch ich greife regelmäßig zum Glimmstängel.

Wirt Chris Jaumann ist nicht gerade begeistert vom Rauchverbot: 'Ich rechne mit Umsatzeinbußen. Schließlich sind etwa 90 Prozent meiner Gäste Raucher.' Zudem sieht er Probleme wegen Ruhestörung und mit Zechprellern auf sich zu kommen, 'die mal schnell eine rauchen gehen und dann das Zahlen vergessen'. Auch Gast Georg Naumann wäre es lieber gewesen, wenn alles beim Alten geblieben wäre: 'Wo soll das hinführen, wenn immer mehr verboten wird? Das macht ein Volk unselbstständig.' Aber es gibt auch Raucher, die dem Gesetz etwas Positives abgewinnen können. 'Das tut meiner Selbstdisziplin gut', sagt einer, 'denn so rauche ich automatisch weniger.'

Das will ich ausprobieren und bestelle mir erst einmal ein Bier. Aber bereits nach dem ersten Schluck greife ich automatisch zur Zigarettenschachtel - und stecke sie gleich wieder weg. Fühlt sich irgendwie komisch an, in der Kneipe ohne Zigarette zu sitzen. Und die Lust, eine anzuzünden, wird mit jedem Schluck größer. Da hilft es wenig, dass der Wirt Salzstangen zur 'Lippenbeschäftigung', wie er grinsend sagt, auf den Tisch stellt. Ich trinke aus, zahle und mache mich auf den Weg ins Restaurant des Grünen Hauses.

Dort treffe ich ein befreundetes Pärchen, dass das Rauchverbot zum Anlass genommen hat, das Qualmen aufzugeben. Auch die anderen Gäste sind offenbar recht gelassen und genießen ihr rauchfreies Essen. Nur meine Finger fangen nach einer gewissen Zeit an, auf der Tischplatte zu trommeln. Am Nebentisch stehen zwei junge Leute auf, ziehen ihre Jacken an und gehen eine rauchen. Nur allzu gerne würde ich mich anschließen, aber jetzt muss ja gleich das Essen kommen. 'Es ist sicher ungemütlich für die Gäste, wenn sie zum Rauchen rausgehen müssen', sagt Wirt Philipp Hebel: 'Aber das wird sich im Laufe der Zeit einspielen.' Er komme mit der 'neuen Variante' gut zurecht.

'Übertrieben'

Ich noch nicht. Daher verzichte ich auf einen Espresso nach dem Essen und mache mich auf in eine Kneipe, die noch ein Raucherparadies sein soll: das Treff. Dort erlaubt Wirt Robert Manz seinen Gästen in der Tat das Rauchen. Denn er verfolgt eine eigene Strategie (siehe nebenstehenden Artikel). Im Treff sind sich alle einig, dass das Verbot verboten gehört. Sie sehen sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt. 'Es wird kein Nichtraucher gezwungen, in eine Raucherkneipe zu gehen', sagt Heinz Unterweger. Seiner Meinung nach sollten Wirte entscheiden können, ob sie ein Raucher- oder ein Nichtraucherlokal führen wollen. So sieht es selbst Nichtraucher Sven Kramm: 'Das Gesetz ist übertrieben.'

Auf dem Heimweg denke ich bei einer Zigarette darüber nach, das Rauchen - nach mehreren gescheiterten Versuchen - endlich aufzugeben. Schaden würd’s wohl nix.

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