Bregenz
Romeo liebt Julian

«Er ist ein Er», gesteht der verliebte Romeo seinen Freunden. Mit ihrer gewagten, aber in sich schlüssigen Inszenierung der beliebten Shakespeare-Tragödie «Romeo und Julia(n)» am Vorarlberger Landestheater in Bregenz kann sich die Regisseurin Nina C. Gabriel der Aufmerksamkeit gewiss sein.

Sie hat das Stück in die heutige Zeit verlegt und der Sprache die gleiche Direktheit gegeben, wie sie das echte Shakespeare-Publikum genoss. Gründlich aufpoliert wurde die angestaubte Schlegel-Tiecksche Übersetzung - in der fast dreieinhalbstündigen Aufführung am Kornmarkttheater sitzt jedes Wort.

Romeo? Klar. Aber Julian? Das ist das Ungewöhnliche. Sicher, zu Shakespeares Zeit waren nur Männer auf der karg ausgestatteten Bühne, aber sie stellten Männer und Frauen dar. Hier stehen auch Frauen auf der Bühne, sogar Benvolio ist attraktiv weiblich besetzt ebenso wie Julian, der nichts von der ihm zugedachten Paris (Alexandra-Maria Nutz) wissen will. Romeo (Jan Nikolaus Cerha), der sich nur zu rasch ins Ritzen flüchtet, verliebt sich tatsächlich in Julian (Matthias Britschgi).

Im Mittelpunkt stehen heutige junge Leute, die nicht wissen, wohin mit ihrer Kraft. Köstlich locker sind Mercutio (Bernd Christian Althoff) und Tybalt (Alexander Julian Meile) gezeichnet. Das ständig griffbereite Messer sitzt schnell im Körper eines anderen, der Krieg der Elterngeneration geht weiter, und über die Bühne flimmern die Schlagzeilen der Regenbogenpresse.

Ein Blick genügt

Beeindruckend ist Tamara Stern als Familienoberhaupt der Capulets: nur Oberfläche, Standesdünkel und Hysterie, darunter Hass - Hass auf die Montagues, würdig vertreten durch den reservierten Mario Plaz.

Romeo: ein netter Junge aus der Nachbarschaft, der mit dem Messer umzugehen weiß, aber nicht mit der Liebe, die ihn wie ein Naturereignis überfällt, als er Julian in die Augen schaut. Ein Blick genügt - und er liebt Romeo.

Vor wenigen Jahren wäre solch eine Version auf der Bühne, noch dazu in Österreich, undenkbar gewesen. Heute gibt es am Ende allenfalls einen schüchternen versteckten Buhruf, der im starken Beifall untergeht. Der Theaterbesucher ist begeistert vom opulenten Bühnenbild, von der sensiblen Regie, vom hervorragenden Spiel des gesamten Ensembles.

Weitere Aufführungen: 3., 5., 9., 11. und 21. Februar, jeweils 19.30 Uhr. Karten sind erhältlich unter: 0043/5574/42870-600.

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