Oberallgäu
Reservierungen schriftlich bestätigen lassen

Wer in einem Restaurant einen Tisch für eine große Gesellschaft reserviert oder einen Nebenraum, der sollte sich die Reservierungsbestätigung schriftlich geben lassen. Das rät Jochen Deiring, Rechtsanwalt aus Augsburg und Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands.

Folgender Fall aus dem Oberallgäu wurde dem Allgäuer Anzeigeblatt zugetragen: Eine Gesellschaft reserviert für Anfang Januar einen Nebenraum. Als die Gäste kommen, ist das gewünschte Zimmer anderweitig besetzt. Die Wirtin versichert, sie habe keine Reservierung für den Tag erhalten, nur eine Anfrage. Sie bietet dennoch andere Plätze im Lokal an, die die Gäste allerdings nicht wollen. Sie verlassen verärgert das Restaurant. In ihrer Wut erwägen die enttäuschten Restaurantbesucher sogar eine Klage gegen die Wirtin. Nur, worauf soll ihre Klage basieren? Deiring: «In der Juristerei gilt ein einfacher Grundsatz: Wer sich auf etwas beruft, muss es beweisen können.» Deshalb rät Deiring zu einer schriftlichen Bestätigung, die man sich rechtzeitig vor dem Termin geben lassen sollte. Ein Reservierungsbuch des Wirts, in dem normalerweise alles Wichtige notiert ist, sei allerdings nur «ein mittelguter Beweis».

Ein Viertel der Gäste bleibt aus

Viel häufiger sei die Situation aber umgekehrt, bestätigt Rüdiger Preschl, Wirt im Storchennest in Kempten und Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG): «Bei telefonischen Reservierungen kommt grob gesagt ein Viertel der Gäste nicht.» Das sei ärgerlich, aber damit müssten die Wirte leben. Die Restaurantbesitzer hätten aber die Möglichkeit, dagegen rechtliche Schritte einzuleiten. «Ich könnte dann den durchschnittlichen Verzehr abzüglich des Wareneinsatzes in Rechnung stellen für diejenigen Leute, die nicht gekommen sind.» Zu zahlen hätte in diesem Fall derjenige, der die Reservierung vorgenommen hat. «Ich werde mich aber hüten, so vorzugehen,» fügt Preschl an. Denn dann würden die Gäste ausbleiben und «ich hätte eine üble Nachrede».

Im ländlichen Oberallgäuer Raum werde das Problem aus Sicht der Wirte «individuell und großzügig» gelöst, teilte BHG-Kreisvorsitzender Robert Frank mit. «Man will den Gast nicht verlieren.» Teilweise stelle sich die Frage gar nicht, denn es würden «alle, die reserviert haben kommen, oder einen Tag vorher stornieren,» wie Agnes Dzialuk erklärt.

Die Serviceleiterin im «Waldesruhe» in Oberstdorf sei aufgrund der Lage des Hotel-Restaurants in einer Skiregion mit zuverlässigen Gästen gesegnet, sagt sie. Peter Strauss vom «Königlichen Jagdhaus» in Oberstdorf brennt ein anderer Aspekt unter den Nägeln: «Wir wünschen uns, dass es wieder mehr Reservierungskultur gibt.» Die Gäste würden nicht mehr reservieren, sondern spontan zum Essen gehen. «Am Wochenende muss ich oft Leute vertrösten, weil alle auf einmal kommen.

» Wenn Gäste aber reservieren und spät absagen, oder gar nicht erscheinen, versuche er umzubuchen. «Ausfall-Pauschalen werden seltenst berechnet.» Allerdings gibt es Restaurants in der Umgebung, die so vorgehen. Ein 46-Jähriger aus Kempten berichtet: «Wir haben bei unserer Familienfeier genau angeben müssen, wie viele Personen kommen. Wären wir weniger gewesen, hätten wir einen Abschlag zahlen müssen.»

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