Marktoberdorf / Ostallgäu
Regionales mit Umweg über Hessen

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Garagenfirmen entwickeln sich gelegentlich zu Erfolgsmodellen. Das mögen sich der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM), die Milchvermarktung Süddeutschland (MVS) und Landrat Johann Fleschhut gedacht haben, als sie zum Pressegespräch in eine Garage von Bauer Hansjörg Fichtel am Galgensee bei Marktoberdorf geladen hatten. Dort ging es um «Die faire Milch», die 120 Bauern aus Bayern, Baden Württemberg und Hessen vor einer Woche auf den Markt gebracht haben.

Karl Karrer berichtete als Beisitzer bei der MVS über den aktuellen Stand. Seit Markteinführung sei eine sehr gute Nachfrage nach den H-Milch-Produkten zu verzeichnen. Der Unterallgäuer bedauerte aber, dass die Milch bisher nur in wenigen Geschäften der Region im Regal stehe. Dies liegt an Anlaufschwierigkeiten des Selbstvermarktungsprojekts: In Bayern, so Karrer, sei keine Molkerei als Partner zu finden gewesen. Daher hat die regionale Milch einen Schönheitsfehler: Zur Verarbeitung und Verpackung muss sie nach Schlüchtern bei Fulda (Hessen) transportiert werden. Auch regionale Ketten haben das Produkt nicht im Sortiment.

Karrer berichtete nach den ersten Erfolgen der fairen Milch, hätten sich nun bayerische Molkereien und weiteren Handelsketten zu Gesprächen gemeldet. Zudem wolle man die Milch über Dorfläden und Getränkemärkte anbieten. Er sei er zuversichtlich, dass die Idee der fairen Milch Schule macht.

Neben der Verarbeitung in einer Molkerei der Region sei es ein weiteres Ziel, die Produktpalette um Frischmilch, Butter, Joghurt, Quark und Käse zu erweitern. Dann können weitere Landwirte ihre Milch über die MVS liefern. Von derzeit rund 50 Landwirten, die die MVS im Internet vorstellt, kommen 20 aus dem Ostallgäu, zwölf aus dem Unterallgäu, neun aus dem Württemberger Allgäu und vier aus Oberbayern. Insgesamt so Karrer hat die MVS 40 Millionen Liter Milch pro Jahr unter Vertrag. Mittelfristiges Ziel sei, immer mehr Milch fair zu vermarkten.

Aus 10 Cent werden 40 Millionen

Schützenhilfe bekamen die Faire- Milch-Bauern auch von Landrat Fleschhut. «Ich bin heute nicht zur Freude aller da», spielte er auf die Querelen zwischen Bauernverband und BDM an. Statt zu jammern, hätten hier Landwirte Verantwortung übernommen und Risikobereitschaft gezeigt. Fleschhut betonte die Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft für die Region. Zehn Cent mehr Milchpreis pro Kilo bedeuten im Ostallgäu mit einer Milchleistung von 400 Millionen Kilogramm jährlich 40 Millionen Euro mehr für die Landwirtschaft. Er sagte zu, künftig bei Terminen des Landkreises faire Milch aus der Region anzubieten. Mit der MVS werde man auch über Lieferungen an Kliniken und Altenheime reden, denn das Projekt sei «ein leuchtendes Beispiel für nachhaltiges Denken».

Gastgeber und Milchlieferant Hansjörg Fichtel stellte die gesunden Inhaltsstoffe der Milch heraus: Zusätzlich zu einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren (derzeit 0,9 Prozent) sei das Futter der Kühe gentechnikfrei. Statt Soja werden Getreide und mindestens 60 Prozent Grünfutter oder Silage aus der Region verfüttert. Die daraus resultierende geringere Milchleistung sei vielleicht ein Weg aus den Überproduktionen der Landwirtschaft.

«Die Verbraucher fragen schon nach der Milch», wusste Michael Endraß vom BDM-Kreisvorstand, der selbst nicht faire Milch liefert, aber das Projekt voll mitträgt.

Die faire Milch, so Karrer, wirke auch schon über die MVS hinaus: Einige Molkereien haben seit Einführung der fairen Milch die Zahlung an die Bauern um zwei Cent erhöht: «Das hilft allen Michbauern.»

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