Kaufbeuren / München
Reger Luftverkehr an der künftigen Umgehungsstraße

Mit ihren jüngsten Beschlüssen haben der Stadtrat Kaufbeuren und der Gemeinderat Germaringen den Weg frei gemacht für den Bau des Reifträgerwegs. Ob die Bauarbeiten für die Neugablonzer Ostumgehung, wie geplant, schon im nächsten Herbst beginnen können, ist aber unsicher. Denn zum einen müssen die Pläne noch öffentlich ausgelegt werden und jeder betroffene Bürger kann seine Bedenken und Einsprüche geltend machen. Zum anderen könnten auch kleine Tierchen das große Projekt noch bremsen. Denn der Wald, durch den die Trasse führen soll, ist unter anderem ein Jagdgebiet mehrerer Fledermausarten.

Ganz neu ist diese Tatsache freilich nicht. Im Zuge der Planungen für den Reifträgerweg wurden Fachbüros damit beauftragt, zu ermitteln, welche Auswirkungen der Bau der Straße auf die Natur hat. In dicken Gutachten wird aufgeführt, welche schützenswerten Tier- und Pflanzenarten in dem durch Stürme und Unwetter arg gebeutelten Fichtenbestand östlich von Neugablonz zu finden sind (siehe Info-Kasten). Insbesondere auf das Vorkommen und das Jagdverhalten der verschiedenen Fledermausarten in diesem Bereich wird ausführlich eingegangen. Insgesamt sieben verschiedene Arten der fliegenden Säugetiere wurden bei Untersuchungen festgestellt.

Während der Wald östlich von Neugablonz von den Fledermäusen eifrig als Jagdgebiet genutzt wird, gibt es laut Gutachten im Bereich der Trasse aber keine Quartiere. «Die Fledermausbestände in Bayern sind sehr unterschiedlich erfasst», erläutert Dr. Andreas Zahn von der staatlichen Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern. Während man - wie auch in Kaufbeuren und Umgebung - über die Fledermaus-Kolonien in Kirchtürmen und historischen Gebäuden ziemlich genau informiert sei, wisse man von der Verbreitung der Arten, die beispielsweise in Baumhöhlen hausen, relativ wenig. Deshalb könnten oft keine pauschalen Aussagen darüber getroffen werden, ob in einem überplanten Gebieten tatsächlich nicht auch dauernd Fledermäuse leben.

Gefahr groß

Dass die Arten unterschiedlich von einer solchen Baumaßnahme betroffen sind, liege an ihrem unterschiedlichen Jagdverhalten, so Zahn. Die Zwergfledermaus etwa jage nur knapp über dem Boden. Wenn eine neue Straße nun die festen Jagdlinien durchschneidet, sei die Gefahr, dass die Tierchen vermehrt mit Fahrzeugen zusammenstoßen, besonders groß. Die Pflanzung von Hecken oder Bäumen, die die Jagdlinien der Fledermäuse umleiten, könnten Abhilfe schaffen. Diese und weitere in den Gutachten geäußerte Bedenken hätten zum Teil zu Änderungen der Planungen und zu Hinweisen geführt, bestätigt Heribert Schaller von der Unteren Naturschutzbehörde bei der Stadt Kaufbeuren: «Was wir gefordert haben, haben wir bekommen.» Schallers Behörde hat die Planungen und auch die Gutachten geprüft und zum größten Teil für plausibel befunden. «Das war alles in unserem Sinne.»

Im Zuge des weiteren Genehmigungsverfahrens ist die Regierung von Schwaben ebenfalls eingebunden und auch deren Fachabteilung richte - wie die höherrangigen Planungsbehörden in ganz Bayern - seit einigen Jahren ein verstärktes Augenmerk auf die Berücksichtigung der Fledermäuse bei Bauvorhaben. «Das hängt mit dem verschärften Umweltschutzrecht der EU zusammen», weiß Zahn.

Dass Fledermausbestände jedoch ein Bauvorhaben gänzlich zu Fall bringen, dafür kennt der Experte bisher kein Beispiel. «Wenn man verschiedene Trassen abwägt, dann spielt das vielleicht eine Rolle.» Darüber hinaus könne bei entsprechendem baulichem Aufwand nahezu jede Trasse fledermausfreundlich gestaltet werden. «Das ist letztlich auch eine politische Frage», so Zahn.

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