Regen bedeutet nicht weniger Arbeit

Von Bernd Skischally, Memmingen - Nur selten kämpfen sich ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke hindurch. Der Wind weht frisch. In den Becken des Memminger Freibades lässt es sich dennoch aushalten. Im Sportlerbecken ist das Wasser 24 Grad warm, wie man auf der grünen Schiefertafel am Bademeister-Häuschen nachlesen kann. 'Die Temperatur muss einfach stimmen. Wenn's kälter als 22 Grad ist, bekommst du heutzutage niemand mehr ins Wasser', sagt Bademeister Karl Spöttle und erinnert sich, dass die Menschen früher auch schon mal bei 17 Grad im Freibad schwimmen waren. Als Chef der Anlage ist der 44-Jährige verantwortlich dafür, dass sich die Gäste im Wasser und auf den Liegewiesen wohlfühlen - egal bei welchem Wetter. Wegen der wechselhaften und eher nass-kalten Witterung ist das Freibad heuer im Schnitt nur mäßig besucht. 'Nicht zu vergleichen mit dem bombastischen Sommer im vergangenen Jahr. Da kamen regelmäßig 2000 bis 3000 Besucher.' Dennoch liegt der umtriebige Bademeister nicht am Beckenrand auf der faulen Haut. 'Bei schlechtem Wetter habe ich oft mehr zu tun als bei Höchsttemperaturen', betont Spöttle. Dann müssten zwar nicht Scharen von Badegästen versorgt werden, die Reinigung der Anlage sei bei feuchter Witterung aber wesentlich aufwändiger.

Mehrmals täglich müssten die Becken dann mit Käschern und einer speziellen Saugmaschine von Laub befreit werden, das durch den Wind ins Bad gelangt. 'Die Filteranlagen muss ich bei Regen auch öfters betreuen, weil sich mehr Schmutzpartikel im Wasser festsetzen', sagt Spöttle. Zitat Eine Schmerzgrenze gibt es nicht.} Gerhard Wagner, 77, der auch bei Regen im Memminger Freibad seine Bahnen zieht Der gelernte Schwimmmeister, der nach seiner Ausbildung das Fachabitur nachgeholt hat und anschließend Maschinenbau studierte, arbeitet bereits seit 1976 im Memminger Freibad. Immer wieder gerät er ins Schwärmen, wenn er von seiner täglichen Arbeit an dem komplexen Heiz- und Filtersystem erzählt, das das Wasser auf die richtige Temperatur bringt und sauber hält. Von der Optik her sei sein Bad zwar alt, aber bei der Nachrüstung der Technik habe sich die Stadt 'nie lumpen lassen'. Jeden Morgen ab 6 Uhr verteilen Spöttle und seine acht Mitarbeiter die Aufgaben für den Tag. 'Schlechteres Wetter nutzen wir natürlich auch mal, um Überstunden abzubauen', erklärt Spöttle. Da man nie wisse, wann das Wetter wieder freundlicher wird, müsse das Bad jedoch immer bestmöglich hergerichtet werden. Ganz leer seien die Becken ohnehin nie, sagt er und verweist auf Stammgäste wie den 77-jährigen Gerhard Wagner, der auch bei Regen seine Bahnen zieht. Auch die 33-jährige Dauerkartenbesitzerin Helene Gregg lässt sich vom unfreundlichen Sommer die Schwimm-Laune nicht verderben: 'An trüben Tagen ist es im beheizten Wasser um so angenehmer. Außerdem hat man da mehr Platz im Bad.' Spricht man Bademeister Spöttle auf den geplanten Neubau des kombinierten Hallen- und Freibades an, setzt er ein strahlendes Lächeln auf, dass seine Vorfreude erahnen lässt. 'Wenn ich daran denke, dass ich vielleicht derjenige bin, der die neuen Becken zum ersten Mal füllen darf, bekomm' ich eine Gänsehaut. Das wird eine ganz tolle Sache'

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