Referatsleiter erhält die gelbe Karte

Kaufbeuren (rö). - Mit 22:18 Stimmen beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag, dass der Leiter des Hauptreferates, Dr. Gert Peter Strunk, im Amt bleibt - allerdings nicht, wie eigentlich üblich, für weitere sechs Jahre, sondern zunächst nur bis Ende 2005. Einen entsprechenden Antrag hatte Dr. Thomas Jahn 'im Auftrag' der CSU gestellt. Die Partei sieht die kommenden eineinhalb Jahre als eine 'Chance' für Strunk, 'mehr Impulse und Eigeninitiative' zu entwickeln. Nach Ablauf dieser Frist kann er sich auch erneut um den Posten bewerben. Strunk selbst will vorerst keine Stellungnahme abgeben. Den Hintergrund für den ungewöhnlichen Antrag erklärt CSU-Fraktionssprecher Werner Seibt gegenüber der AZ so: Eigentlich sei man ja durchaus zufrieden mit der Arbeit von Dr. Gert Peter Strunk. Allerdings habe es ihm an der Eigeninitiative gefehlt, die in einem solchen Amt wünschenswert sei, er habe zu wenig Akzente gesetzt. In den Diskussionen um den ÖPNV und in den Auseinandersetzungen mit der Verkehrsgesellschaft sei er 'nicht hart genug' gewesen. Doch Strunk habe 'im Gespräch mit uns geäußert, dass er bereit wäre, das anders zu machen'. Nun habe er eineinhalb Jahre Zeit, das zu zeigen, und könne sich ja auch 2005 wieder für das Amt bewerben. Strunk sei auch zufrieden gewesen mit diesem Angebot '2005', das ihm von CSU, KI und FDP unterbreitet worden sei. Zitat Wir wollten ihm nicht gleich die rote Karte zeigen.} Werner Seibt, CSU Ein weiterer Grund für den Antrag sei die Zeitfrage gewesen, erklärt Seibt. Eigentlich habe die Wahl Strunks, dessen Amtsperiode im Mai 2004 endet, bereits im vergangenen Herbst angestanden. Oberbürgermeister Andreas Knie jedoch, so Seibt, habe den Punkt erst jetzt auf die Tagesordnung gesetzt. Hätte man sich also jetzt gegen Strunk ausgesprochen und beschlossen, die Stelle auszuschreiben, wären ihm nur wenige Monate verblieben, einen neuen Job zu finden.

Nicht der OB bestimme den Termin der Wahl, korrigiert allerdings der Leiter des OB-Büros, Siegfried Knaak, sondern der Termin werde immer in Absprache mit dem Amtsinhaber festgelegt. In der Sitzung hatte Strunk auf Nachfragen von Charlotte Brendel (FDP) auch erklärt, mit dem jetzigen späten Termin einverstanden zu sein. Die 'soziale Komponente' gab letztlich aber auch für Brendel den Ausschlag, für 2005 zu stimmen. 'Die einzige andere Alternative wäre für mich die Ausschreibung gewesen.' Zitat Für mich heißt das: Wenn er nicht macht, was die CSU will, kann er gehen. Das kann es doch nicht sein.} Georg Kollmeder, WIN Keine Rolle habe gespielt, dass die CSU einen eigenen Kandidaten ins Amt bringen wollte, behauptet Werner Seibt. Der Name von Ernst Schönhaar war dabei schon offen gehandelt worden. Letztlich sei aber klar gewesen, so der Fraktionssprecher, dass man für diese Position einen Volljuristen brauche und die beiden Juristen in der Fraktion hätten kein Interesse bekundet. Schönhaar selbst entschied sich im Übrigen für einen Schulleiterposten in Bad Wörishofen. Ernst Holy (KI) war überrascht von der heftigen Diskussion im Stadtrat. 'Meine Information war gewesen: Man hat mit Strunk gesprochen, er war mit der Verlängerung bis 2005 einverstanden und alles war sozialverträglich abgestimmt. Daher war das für mich in Ordnung.' Man habe auch gesagt, dass man jetzt keine Ausschreibung wolle, damit das nicht wie Wahlkampftaktik aussehe. 'Sehr enttäuscht' zeigte sich FW-Fraktionssprecher Eugen Böckler. 'Wenn die CSU mit Strunk nicht zufrieden war, hätte sie das in den vergangenen fünfeinhalb Jahren sagen können, aber da kam nie etwas', kritisiert er. Fairerweise hätte man dann die Stelle ausschreiben müssen, 'aber man möchte lieber taktieren', vermutet Böckler im Hinblick auf die OB-Wahl im Juni. Auch für Georg Kollmeder (WIN) ist das Ganze 'eine üble Sache. Das ist alles nur Verzögerungstaktik: Entweder hat man zu seinem Referatsleiter, der schon fast sechs Jahre da ist, Vertrauen oder nicht.' Er stellte deshalb einen Antrag auf Ausschreibung der Stelle, der aber abgelehnt wurde. 'Einfach fies' findet Dieter Matthes (SPD) das Verhalten der Mehrheit dem Referatsleiter gegenüber und spricht von 'menschlichen Defiziten'. Man behandele Strunk wie einen Lehrling.

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