Allgäu
Radhauben als Spezialität

Bad Hindelang-BadOberdorf Auf einer gepolsterten Unterlage hat er mit unzähligen Nadeln ein kompliziertes Muster aus Goldfäden festgesteckt: Josef Schlipf aus Bad Oberdorf sitzt in seinem Wohnzimmer über einer aufwendigen Arbeit. Er fertigt nach alten Vorlagen und in überlieferter Technik eine Radhaube für die historische Tracht. Schlipf ist Trachtenwart im Verein «DOstrachtaler» und dort im Speziellen für die alte Tracht zuständig.

Angefangen beim Trachtenverein hat Josef Schlipf schon vor 57 Jahren. Zuerst war er bei den Plattlern. Sieben Jahre dauerte seine Plattler-Zeit. Mit der Hochzeit war Schluss. «Wenn man verheiratet ist, macht man da nicht mehr mit.» Heute ist Josef Schlipf Ehrenmitglied - und freut sich, dass mittlerweile drei Generationen aus seiner Familie im Trachtenverein aktiv sind. In den Folgejahren hat sich Josef Schlipf den Tanzgruppen angeschlossen. Er war lange Zeit in der Volkstanzgruppe und in der Sechsertanzgruppe, die in der historischen Tracht den «Sechsertanz» aufführt. Schlipf wurde Beisitzer und Trachtenwart. Über Jahrzehnte hat er sich zugleich für die Pflege der überlieferten Tänze eingesetzt.

Als Schneider ist Schlipf da voll in seinem Metier. Er näht die grünen Westen für die Männer, und er hat auch die blauen Gehröcke geschneidert. «Die alten Sachen stammten ja noch aus der Nachkriegszeit, das musste alles neu gemacht werden.» Und er hat sich darauf spezialisiert, Radhauben und Regina-Hauben für die Volkstanzgruppe anzufertigen. Zurzeit arbeitet er wieder an einer mit Perlen aufwendig verzierten Radhaube. Rund 300 Stunden sitzt er über seiner Arbeit.

Josef Schlipf ist auch passionierter Alphornbläser. Als der ehemalige Bezirksmusikpfleger Michael Bredl Ende der 50er-Jahre das erste Alphorntrio in der Region gründete, war Josef Schlipf - zusammen mit seinem Bruder Hermann - sofort dabei. Noch heute ist Schlipf Alphornbläser. «Weils so viel Freude macht», sagt der 75-Jährige.

Allerdings ist es den Schlipf-Brüdern immer wichtig gewesen, das Alphorn nicht als Folklore-Instrument zu vermarkten, sondern es als das zu erhalten, was es ursprünglich war - Verständigungsmittel der Hirten.

Gern denkt Schlipf an die Alphornbläsertreffen am Nebelhorn zurück. Oder an seinen Auftritt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München. Heute muss die Hindelanger Alphorngruppe Nachwuchs suchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018