Quellwasser machte Kropf den Garaus

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Von silvia Reich-Recla | Sulzberg Als Kind hat Franz Hösle Wasser aus dem Brunnen vor dem Römerhaus in Sulzbrunn getrunken. Der heute 64-Jährige war schon damals mit den Geschichten vertraut, die sich rund um das Wasser ranken, dem heilende Kräfte nachgesagt werden:

So soll 1837 der Wirt von Zollhaus durch ausgiebiges Trinken des Wassers von seinem Ball großen Kropf befreit worden sein. Diese 'wundersame' Heilung sorgte für Aufsehen. Eine Analyse des Wassers ergab: Es ist jodhaltig. In Sulzbrunn florierten fortan Badekuren, der Ort wurde zum Jodbad. In der Chronik der Marktgemeinde Sulzberg ist zu lesen: 'Die unmittelbare Umgebung des Kurorts bilden bewaldete Hügel mit schönen Anlagen, herrlichen Promenaden und großartiger Fernsicht ins Iller- und Lechtal'.

Sulzbrunn galt als das höchstgelegene Kurbad Deutschlands. Kranke hofften, dort Heilung zu finden bei Haut- und Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Entzündungen und Gefäßerkrankungen. Mit dem zweiten Weltkrieg allerdings kam der Kurbetrieb zum Erliegen und auch die Jodquelle, die von Justus Liebig 1857 'zu den reinsten Jodwassern' gerechnet wurde, geriet mehr und mehr in Vergessenheit

Dann stieg Franz Hösle eines Tages in den acht Meter tiefen Stollen: 'Seit meiner ersten Begehung Anfang der 90er Jahre war ich fasziniert von der Felsengrotten-Quellanlage', sagt der ehemalige Lehrer. Sie sei 'ein geschichtliches Juwel' und sollte in ein Tourismuskonzept eingebunden werden.

3000 Liter am Tag

Nun ist es soweit. Die Römerquelle ist in den Historischen Erlebniswanderweg, den Heinrichweg, auf Sulzberger Flur eingebunden. In einem Info-Raum erfahren die Wanderer alles rund um die Quelle, sie können dort auch Fernsehen: Der bekannte Bergfilmer Gerhard Baur hat zusammen mit seinem Sohn Fridolin einen siebenminütigen Film gedreht und ihn seiner Heimatgemeinde Sulzberg geschenkt. Hautpdarsteller Franz Hösle trinkt im Film einen Schluck Quellwasser und sagt: 'Das ist wohl das reinste Jodheilwasser Europas'.

Die Quelle schüttet 3000 Liter am Tag. 'Das ist zu wenig, um das Nass als Mineralwasser vertreiben zu können', sagt Römerhaus-Klinikleiter Gotthard Lehner. Und weil durch die Sulze im Wasser die Leitungen verstopften, plätschert dieses einst heiß begehrte Wasser weder aus dem Brunnen vor dem Römerhaus noch aus den Wasserleitungen im Römerhaus, sondern in den nahe gelegenen Bach.

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