Puh, der Krebs war aber ziemlich fies

Von Sylvia Rustler, Memmingen - 'Ich habe extra einen Nagelzwicker dabei', sagt Manuel Hiemer, der ebenso wie sein Freund Johannes Brunner beim 'Tag der Schwäbischen Fischerjugend' dabei ist. 286 Jugendliche stellen ihr Angler-Können theoretisch und praktisch unter Beweis. Brunner heftet sich eine Arterienklemme an den Pullover. 'Damit kann man den Haken gut aus dem Fisch lösen, und auch beim Knotenmachen brauche ich die Klemme', erklärt Johannes. Drei goldumrandete Anstecker prangen auf seiner roten Mütze. 'Erinnerungen an die letzten drei Treffen', erzählt der 13-Jährige. Manuel, Johannes und deren Freunde Manuel Kiefer und Andreas Port sind nervös: In wenigen Minuten werden die vier Mitglieder des Bezirksfischereivereins Memmingen in Artenkunde geprüft. 'Was ist der Unterschied zwischen See- und Teichrose?', fragt einer aufgeregt. 'Eine Teichrose hat kleinere Blütenblätter und steht mit dem Stil aus dem Wasser - die Seerose schwimmt darauf', sagt Manuel Kiefer. Es ist mucksmäuschenstill. Fisch- und Pflanzenarten sowie verschiedene Kleinlebewesen müssen unterschieden werden. Drei Bilder von Krebsen stehen zur Auswahl. Für den Laien sehen alle gleich aus. Doch nur einer ist ein Edelkrebs. 'Schaut Scheren und Panzer genau an', rät Fred Grobe seinen Prüflingen. 'Puh, der Krebs war aber ziemlich fies', stöhnt Andreas danach. 'Ja, und die seltenen Fische, die eh nie anbeißen', stimmt Manuel Kiefer zu. Dann schwärmt dieser von 'Fischküchle' - es ist Mittagszeit.

30 Jugendgruppen aus Schwaben sind vertreten. Das ganze Wochenende zelten die Zehn bis 18-Jährigen nahe der Stadionhalle. Die Ergebnisse aus Arten- und Knotenkunde, einer Angelübung auf dem Rasen und einem Jugendkönigsfischen in der Iller werden addiert. Die ersten drei und das beste Mädchen qualifizieren sich für das bayerische Jugendkönigsfischen. 'Es nehmen nur 25 Mädchen teil', so Bezirksjugendleiter Hans-Peter Moser. 'Das ist schade', kichern die vier Jungs. Dann wird's wieder ernst. Knotenkunde steht an. Manuel Hiemers Hände zittern, als er die Angelschnur um den winzigen Haken wickelt. 15 Minuten hat er Zeit. Mit seinem Nagelzwicker knipst er ein Stück Schnur ab, zieht den Knoten mit den Zähnen fest. Sein Gebilde wird überprüft - es reißt. Manuel bekommt nur wenig Punkte. 'Wir haben heute Nacht eben kaum geschlafen', trösten seine Freunde. 'Beim Königsfischen müssen wir fit sein', sagen sie. Ob sich die vier auch diese Nacht um die Ohren geschlagen haben? Vielleicht - für die Landesebene hat sich gestern jedenfalls keiner von ihnen qualifiziert. 'Mit einer fast zwei Kilo schweren Aalrutte ist Stefan Dunz aus Höchstädt neuer schwäbischer Jugendkönigsfischer. Das beste Mädchen ist Jaqueline Aurnhammer aus Königsbrunn' so Andreas Kiewitt vom Memminger Verein. Kiewitt: 'Beim Fischen in der Iller haben 79 der Teilnehmer etwas gefangen - das ist viel angesichts des Hochwassers.'

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