Kempten
Prunksüchtiger Herrscher und Freund der Musen

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Engelbert von Syrgenstein gehört zu den Fürstäbten, die den Prunk und das höfische Zeremoniell schätzten. Das zeigte er zu Beginn seiner Regentschaft 1747, als er sich die Amtseinführung 20000 Gulden kosten ließ. 13 Jahre lang stand er an der Spitze des Fürststifts Kempten und als er vor 250 Jahren starb, hinterließ er deutliche Spuren im Gesundheitswesen, in Wirtschaft, Schule und Kirchenbauten.

Nach dem Tode von Anselm Reichlin von Meldegg übernahm von Syrgenstein (geb. 14.5.1694) das Kloster Kempten. Als 1748 die Pfarrei St. Lorenz nicht mehr der Diözesangewalt eines Bischofs unterstellt war, sondern direkt dem Päpstlichen Stuhl in Rom, übte der Fürstabt auch bischöfliche Rechte aus, weiß Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck. In den Unterlagen des Stadtarchivs findet sich die Errichtung eines Spitals für Kranke und Arme im Gut Härtnagel (1751). Die «Sebastianskapelle» in Oberdorf wurde 1564 als «Pestkapelle» erbaut und zwei Jahrhunderte später durch Fürstabt Engelbert von Syrgenstein ausgestattet. In Günzach hatten die Fürstäbte 1730 einen Gutshof angelegt, den von Syrgenstein 1760 zum Jagdschloss ausbauen ließ.

Der prunksüchtige Fürstabt stand auch im Wettstreit mit der Reichsstadt Kempten und frohlockte, als er 1759 und 1760 Baumwollspinnereien in der Stiftsstadt und im Pflegamt Grönenbach ansiedeln konnte. Doch Engelbert von Syrgenstein war auch ein Freund der Wissenschaften und Vorstand des Literarischen Vereins in Schwaben. Bezirksheimtpfleger Dr. Dr. Alfred Weitnauer hatte für seine Allgäuer Chronik recherchiert: «Seine Absicht ist, das Stift Kempten zu einem Sitz der Musen zu machen.» Anlässlich der Amtseinführung durch den Bischof von Brixen, Kardinal Quirini, fand im Theatersaal des Klosters eine Festvorstellung statt. Allein für Präsente an die kaiserliche Gesandtschaft und andere wurden 3689 Gulden ausgegeben. Die Verleihung der Reichslehen an den neuen Fürstabt kostete weitere 6272 Gulden Gebühren.

Der Wahlspruch des Fürstabts war «Nichts durch das Volk, aber alles für das Volk.» Ob seine Untertanen aber viel von der Errichtung einer Literarischen Akademie der Wissenschaften der schwäbischen Benediktinerklöster 1752 in Kempten (Societas Litteraria Germano-Benedictina) hatten, bleibt fraglich.

Neben den Künsten förderte der Fürstabt auch die Wissenschaften. So wurde Benediktiner-Kardinal Quirini, Bischof von Brescia und Präfekt der Vatikanischen Bibliothek, als Protektor der Benediktinerakademie gewonnen. Fürstabt von Syrgenstein wurde Präses. Über den deutschen Sprachraum hinaus wurden Verbindungen geknüpft. Doch nach inneren Spannungen im Orden und Kriegswirren zwischen Österreich und Preußen hatte die Einrichtung nur kurz Bestand.

Am 25. Mai 1760 starb Syrgenstein an einer Lungenentzündung. Das prunkvolle Leichenbegräbnis und der Leichenzug wurden in einer eigens in Druck gegebenen Folioschrift eingehend geschildert. Am 16. Juni wurde Honorius von Schreckenstein zum Nachfolger gewählt.

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