Prunkgewänder für die Könige

Von Angela Fessler | Heimenkirch Die Ministranten von Heimenkirch strahlen. Sie haben für ihre Touren als Sternsinger neue Umhänge bekommen. 'Die haben so leuchtende Farben und sind so weich', freuen sich Marion und Alexandra. 'Das ist echt voll gut. Auch Christoph und Max finden die neue, einheitliche Kleidung so richtig prima. Vor allem die Kronen. 'Die sind jetzt nicht mehr so lotschig', erklärt Christoph. Zuvor hatten sie Pappkronen, die reichlich locker auf dem Kopf saßen und bei Wind und Regenwetter sehr anfällig waren.

Begonnen hatte alles nach dem letzten Sternsingen. 'Da liefen mit unseren Heiligen Drei Königen die Vorhänge vieler Heimenkircher Familien durch die Straßen' lacht Roswitha Dietrich. Auch Tischdecken seien auf diese Weise unterwegs gewesen. Die königlichen Umhänge waren sehr bunt zusammengewürfelt. Immer wenn ein neuer Mantel gebraucht wurde, war wieder ein solcher Stoff zum Königskleid umfunktioniert worden.

Aber nach dem letzten Mal stellten die Ministrantenmütter Susanne Brey, Roswitha Dietrich und Gabriele Heinz fest, dass die Umhänge samt Kronen doch allesamt arg mitgenommen und überholungsbedürftig waren. Die Vorgängerkleider waren größtenteils vor etwa 20 Jahren von Liesl Hahn und Angelina Kleinheitz - ebenfalls für 'Gottes Lohn' gefertigt worden.

Ein Artikel im Westallgäuer brachte sie auf die Idee. Dort war zu lesen, dass in Ebratshofen die Mitglieder des Frauenbunds neue Kleider für die Heiligen Drei Könige gefertigt hatten. Also wandten sie sich an Hermine Selig, von der sie wussten, dass sie den Beruf der Näherin erlernt hatte. Die sagte auch gleich zu. Sie bat Lotte Winter und Ilse Donaubauer, beide auch Näherinnen, um Unterstützung und das Produktionstrio war komplett. 'Da kann man doch nicht nein sagen', meint Lotte Winter.

Erst fabrizierten sie einen passenden Schnittbogen. Der Samt wurde zugeschnitten und gekurbelt und so umgeschlagen, dass keine Naht sichtbar ist. 'Dazu braucht man spezielle Nähmaschinen', informieren die drei Frauen. Die kleinen Krägen wurden aufgesetzt und die Zierlitzen aufgenäht. 'Das war eigentlich das Schwierigste, denn auf dem Samt war das schlecht zu verarbeiten', erklären sie. Zuletzt wurden die kleinen Schließen von Hand angebracht. Und das alles in dreißigfacher Ausführung. Wie viele Stunden sie daran gearbeitet haben? Keine Ahnung - aber lange. Und jetzt sind sie mit den Ministranten glücklich über das gelungene Werk. Bei den Kronen haben die Ministranten selbst mit Hand angelegt. Das Material - Alublech - hat Harry Holzer gespendet.

Am schulfreien Buß- und Bettag trafen sich die Ministrantenmütter mit 26 Kindern im Pfarrheim um zu basteln und die königliche Kopfbedeckung herzustellen. Die Form wurde aufgezeichnet und mit einer Blechschere ausgeschnitten. Die Löcher wurden gestanzt. Wer da nicht sauber arbeitete, musste mit der Feile nachbessern. Veredelt wurde das Metall mit Goldspray. Bunte Dekosteine zieren das Herrschersymbol an Stelle von Diamanten. 14 Kronen kamen so an diesem Vormittag zustande. Die restlichen 13 fabrizierte Familie Dietrich in Heimarbeit.

'Und jetzt haben wir zu unseren schönen Umhängen endlich auch gescheite Kronen', strahlen die Ministranten.

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