Ronsberg
Provokante Post «aus Existenzangst»

Als eine «bodenlose Frechheit» bezeichnete Zweiter Bürgermeister Martin Glas bei der jüngsten Marktratssitzung die Karten und Briefe, die einige Ronsberger Gemeinderatsmitglieder am Heiligen Abend erreichten. Absender sind Claudia und Manfred Brandl aus dem Ortsteil Schochen, die bekanntlich den Bau einer Windkraftanlage auf der Ronsberger Gemarkung in der Nähe ihres Hauses verhindern möchten (wir berichteten). Mit Anträgen, Info-Briefen und Unterschriftenaktionen versuchten sie bereits, dies abzuwenden. «Wir haben extreme Existenzangst, weil das Windrad nahe unserem Haus gebaut werden soll», sagt Claudia Brandl. Auch aus dieser Stimmung heraus, die vor Weihnachten verstärkt vorhanden gewesen sei, habe das Ehepaar diese Postkarte verfasst. Sie sollte provokativ sein - weil sie und ihr Mann das Gefühl hatten, «denen ist man egal.»

Auf der Karte, die Martin Glas zugeschickt wurde und die er in der jüngsten Sitzung vorlas, steht: «Wir verbringen heuer keine frohe Weihnachten. Wir haben Angst um unsere Zukunft und unsere Existenz. Wir hoffen, Sie haben beim Weihnachtstrucker gespendet oder eine Familie in Afrika unterstützt, um reinen Gewissens den Lebensraum und die Zukunft Ronsberger Familien durch die Unterstützung des Windradbaus zu zerstören.»

«Flächennutzungsplan bestand schon zum Zeitpunkt des Kaufs»

Glas verwies darauf, dass zum Zeitpunkt des Kaufs des Hofes in Schochen durch Brandl der neue Flächennutzungsplan mit dem «Sondergebiet Windenergieanlage» bereits bestand und jederzeit zum Einsehen war.

Auch seien in der Nachbarschaft von Schochen auf Ottobeurer Gebiet (Ollarzried) bereits sechs Windräder vorhanden beziehungsweise im Bau oder in der Planung gewesen. Dass Brandl nun versuche, seine damaligen Versäumnisse beim Haus- und Grundstückskauf auf den Marktrat abzuwälzen, sei unfair, stellte Glas fest.

Ins Haus investiert: «Bei uns geht es um sehr viel»

«Wir haben das Haus vor drei Jahren gekauft und umgebaut. Mein Mann betreibt hier eine Naturheilpraxis und wir leben hier mit drei Kindern», sagt Claudia Brandl gegenüber unserer Zeitung. Von einem Windrad, das rund 500 Meter östlich von ihrem Haus entfernt stehen würde, befürchtet sie Schattenwurf und Lärm. «Bei uns geht es um sehr viel», erklärt sie ihre Lage. Auf eine Info-Veranstaltung, die das Ehepaar in Ollarzried veranstaltete, sei kein einziger Gemeinderat aus Ronsberg gekommen.

Und auch Vorschläge, die ihr Anwalt gemacht habe, seien nicht ernst genommen worden. «An Weihnachten sind dann die Emotionen übergelaufen.»

«Belange nach den gegebenen Möglichkeiten berücksichtigen»

Bürgermeister Gerhard Kraus betonte bei der Sitzung, dass die Ratsmitglieder und er für alle Bürger, soweit es die Gesetze zulassen, einstehen und ihre Belange nach den gegebenen Möglichkeiten berücksichtigen. Er wies darauf hin, dass die Politik von Staat und Bund die erneuerbaren Energien wie Windkraft und Fotovoltaik privilegiere, und dass damit auch die Richtung für die Kommunen vorgegeben sei, um den Anteil von Elektrizität aus Atom- und Kohlekraftwerken verringern zu können.

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