Kempten / Borkum
Probleme bei Finanzierung des Windparks im Meer

Die Bankenkrise machte dem Allgäuer Überlandwerk (AÜW) einen Strich durch die Rechnung. Gemeinsam mit 28 anderen kommunalen Unternehmen und Stadtwerken wollte der Stromversorger einen Windpark im Meer vor Borkum mit 80 riesigen Windkraftanlagen errichten. Doch dafür gibt es von den Banken kein Geld - trotz bester Sicherheiten. Deshalb wurde das ehrgeizige Projekt auf die Hälfte zurückgefahren. Investitionssumme: 600 Millionen Euro. «Jetzt sind wir aber zuversichtlich, dass die Finanzierung im ersten Quartal 2010 unter Dach und Fach kommt», erklärt Jürgen Herrmann von der AÜW-Geschäftsführung.

«Vor zwei Jahren hätten die Banken uns noch die Türen eingerannt», weiß Herrmann aus der Erfahrung mit früheren Objekten dieser Art. Doch dann kam die weltweite Finanzkrise. Und seither seien die Geldinstitute bei Großprojekten übervorsichtig. Dabei könnten die Investoren größte Sicherheiten vorweisen. Immerhin garantiere die Einspeisevergütung bei regenerativen Energien feste Strompreise und auch die EU habe eine Förderung zugesagt.

1,2-Milliarden-Projekt

Aber als sich die «Trianel»-Gruppe, zu der sich 29 Stadtwerke aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen haben, bei europäischen Geldinstituten und Landesbanken anklopften, gab es nur Absagen. 80 Windkraftanlagen mit insgesamt 400 Megawatt sollten 45 Kilometer vor Borkum in der Nordsee errichtet werden.

Zusammen mit der notwendigen Infrastruktur für die Stromverteilung - Anschlussnetz und Umspannwerk - eine Investition von über 1,2 Milliarden Euro.

Ein dreiviertel Jahr lang, so der Prokurist des AÜW, habe man verhandelt - vergebens: «Schließlich mussten wir den Umfang des Projekts auf die Hälfte reduzieren.» Jetzt sollen 40 Windräder mit einer Gesamtleistung von 200 Megawatt ins Meer gebaut werden. Dafür werden die Banken wohl Kredite geben. Dabei müsse die Investorengruppe 35 Prozent des 600-Millionen-Projekts an Eigenkapital selbst aufbringen. Von der EU komme eine Förderung von rund 43 Millionen Euro.

Im Jahr 2012 soll sich nach der bisherigen Planung das erste Windrad drehen. Und warum eine solche Offshore-Anlage? Dafür würden laut Herrmann mehrere Gründe sprechen. So sei ein Windrad auf hoher See doppelt so effizient wie eine Anlage an Land, weil sie weit größer und damit leistungsfähiger errichtet werden kann. «Außerdem gibt es dort keine Probleme mit Wind.» Mit Offshore-Windparks komme man dem Ziel näher, den Anteil der regenerativen Energien in Deutschland - vor dem Hintergrund des Atomausstiegs - zu erhöhen.

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