Problembären zu Gast im Westallgäu

Scheidegg | ver | Es sind Namen, die fremd, witzig und manchmal geheimnisvoll klingen. Worte, die einen zum Schmunzeln bringen und scheinbar nichts mit einer Wohnsiedlung zu tun haben: In unserer neuen Serie erzählen wir in loser Reihenfolge die Geschichten, die hinter kuriosen Ortsnamen stecken.

Wer in Sachen Scheidegger Ortsnamen stöbert, fühlt sich ein bisschen wie bei 'Expeditionen ins Tierreich'. Denn begibt man sich in bestimmte Ortsteile, so stößt man auf schwarzgefiederte Gesellen, Stubentiger und zottige Raubtiere.

Früher fanden Bären ihren Weg nach Scheidegg. Hier waren sie aber ähnlich unbeliebt wie in jüngerer Vergangenheit ihr Kollege 'Bruno' in Bayern: Der Ortsname Bärfallen ist nämlich wörtlich zu verstehen - so erklären es zumindest Josef Stehle und Michael Raich in 'Geschichte von Scheidegg'. Um sich vor Meister Petz zu schützen, beschlossen die Menschen, dem pelzigen Gesellen den Garaus zu machen.

Weil ein Nahkampf mit dem Raubtier wenig erfolgversprechend war, bediente man sich einer Falle: Eine Grube wurde mit Tannenästen überdeckt, auf dem Grund warteten zugespitzte Pfähle. Als Namen taucht Bärfallen erstmals 1482 auf - mit Conraten Weßliß von Beruallen - und wandelt sich in Berfallen. Auch im Historischen Ortsnamenbuch für den Landkreis Lindau ist zu lesen, dass Bärfallen wohl als 'Bärenfalle' zu verstehen ist, hier wird aber auf einen ehemaligen Haus- oder Flurnamen verwiesen.

Übrigens sorgte in Scheidegg ein Eisbär für Aufregung, als man mit 'Knut' noch nichts anderes verband als einen Vornamen: In die Zeit um 1880 führt eine Legende. Damals hieß es laut Bettina Deubel, stellvertretende Heimatpflegerin, ein Eisbär sei bei den Wasserfällen gesichtet worden. Der wurde weniger begeistert empfangen als das weiße Fellknäuel im Berliner Zoo oder dessen weiblicher Gegenpart in Nürnberg. Eine Abordnung - Pfarrer und Bürgermeister inklusive - zog los und fing den Bären ein. Weil man auf den Jagderfolg so stolz war, zeigte man den Vierbeiner gleich bei einer Parade. Der Ruhm war aber recht kurzlebig, denn ein Bub erkannte im 'Bären' einen großen weißen Hund.

Auch andere Scheidegger Ortsnamen haben tierische Ursprünge - Rappenfluh zum Beispiel. Aber wer an schwarze Pferde denkt, liegt falsch: Denn diejenigen, um die es geht, krächzen und kreisen in der Luft. Im Mittelhochdeutschen bedeuten die Worte 'rappe' und 'rab' dasselbe: Rabe.

Dazu 'fluh' von 'vluo' für eine jäh abfallende Felswand - fertig ist der Flurname. Der weist schlicht auf eine Felswand hin, auf der sich gerne Raben tummeln.

Bei der Katzenmühle bleiben dagegen Fragen offen. Laut Bettina Deubel gab es hier bis 1896 eine Mühle am Katzenbach. Wie die Samtpfoten aber in dessen Namen kommen, bleibt ein Geheimnis.

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