Prinzregent steht als Waidmann ohne Deckung da

Oberstdorf | pts | Wie auf dem Präsentierteller steht er jetzt da, der Prinzregent Luitpold auf seinem nachgebildeten Felssockel. An der Ecke Prinzenstraße/Ludwigstraße in Oberstdorf wurde dem passionierten Waidmann die Deckung geraubt, die er nun einmal benötigt, um das Bergwild zur Strecke zu bringen. Die stramme Fichte, die ihm dort jahrzehntelang Sichtschutz bot, ihn aber auch weitgehend den Blicken seiner Bewunderer entzog, wurde im Auftrag des Rathauses gefällt. Das passt nicht jedem im Ort. Wegen des nunmehrigen 'nackten' Aussehens des Bronze-Denkmal hat sich sogar ein lokalpolitischer Streit entzündet.

CSU-Gemeinderat Rudolf Götzberger, zugleich Vorsitzender des hiesigen Vereins der Gartenfreunde und von daher schon Baumschützer, wollte das Thema in der Jahresschluss-Sitzung des Kommunalparlaments aufs Tapet bringen. Dabei hatte es bereits im Oktober einen 8:3-Beschluss des Bauausschusses zur zukünftigen Gestaltung des Prinzregenten-Denkmals gegeben. Und noch früher, nämlich im Mai, war bei einer Ortsbesichtigung vereinbart worden, den Wildwuchs rund um den Jägersmann von königlichem Geblüt auszulichten, damit er nicht vollends im dunklen Tann der Ortsgeschichte verschwindet.

Letzter Dienst als Weihnachtsbaum erfüllt

Bürgermeister Thomas Müller und einige Räte aus der CSU vermochten jetzt partout nicht einzusehen, dass die ganze Thematik auf Betreiben Götzbergers noch einmal im Gemeinderat aufgerollt werden sollte. Sie erinnerten an den gültigen Beschluss des Ausschusses, den Besitzer des auf Privatgrund befindlichen Baumes um die Fällaktion durch den kommunalen Bauhof zu bitten. Der Eigentümer, so stellte er in einem Brief dar, habe sich letztlich 'blutenden Herzens' dem Druck aus dem Rathaus gebeugt. Immerhin durfte die auf 60 Lebensjahre geschätzte Fichte einen letzten Dienst als Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz erfüllen.

Indes bleiben CSU-Rat Götzberger - und mit ihm FW-Vertreter Martin Rees sowie Siegmund Rohrmoser als grüner Ratsvertreter - bei ihrem Zorn über die Baumfällaktion. Die Bloßstellung des Denkmals ziele darauf ab, wohl einen anderen Standort für das Prinzregenten-Erinnerungsstück zu erwählen, vermutet das Trio.

Das werde nicht geschehen, antwortet der Bürgermeister, obwohl es mittlerweile als Alternative einen Prinzregenten-Platz vor dem neuen 'Oberstdorf-Haus' gäbe. Allein die Umsetzungskosten schlügen nach den Worten von Thomas Müller mit 21 000 Euro zu Buche. Der Rathaus-Chef hat überdies weiteren Trost parat. Dem Wittelsbacher soll ein Walnussbaum hinzugesellt werden.

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