Buchloe
Premiere: Geschenke unterm echten Christbaum

Hollie Griffiths erlebt in diesem Jahr eine persönliche Premiere nach der anderen. Die 16-Jährige ist zum ersten Mal im Ausland. Als sie vor ein paar Wochen zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee gesehen hat, hat sie die Kamera geholt und die weißen Flocken fotografiert. Sie hat zum ersten Mal Plätzchen gebacken und Brotzeit gemacht.

Am Heiligen Abend wird sie zum ersten Mal nach dem Gottesdienst vor einem echten Christbaum sitzen und bei der Bescherung ihre Geschenke, die das Christkind und nicht der Weihnachtsmann gebracht hat, auspacken. Und sie wird in ein paar Tagen in den Allgäuer Alpen zum ersten Mal auf Skiern stehen.

Hollie kommt aus dem kleinen Städtchen Stawell in Australien und verbringt derzeit zehn Wochen bei Familie Ranker in der Gennachstadt. Dass sie ausgerechnet zum Fest der Liebe rund 20000 Kilometer entfernt von ihren Eltern und ihren beiden jüngeren Geschwistern auf der anderen Seite der Erde ist, stört die Jugendliche nicht. «Ich habe kein Heimweh und finde hier alles toll», erzählt Hollie. Ab und zu telefoniert sie mit ihren Verwandten oder tauscht sich mit australischen Freundinnen aus, die momentan auch in Deutschland sind.

Nudelgerichte statt Brotzeit

Was sie am liebsten mag? Kinderschokolade und Brezen. Auch wenn sie bei Letzterem Probleme mit der Aussprache hat. Probiert hat sie natürlich auch schon Weißwürste. Überhaupt nicht anfreunden kann sich Hollie mit bayerischem Kartoffelsalat. «In Australien gibt es viele Nudelgerichte. Dafür haben wir keine Brotzeit», erzählt sie.

Gut findet sie außerdem den Buchloer «Cheese-Tower». Käse-Turm? Von ihrem Zimmer aus in der Amberger Straße sieht Hollie einen Teil des Karwendel-Firmengeländes. Und wenn die 16-Jährige alleine in der Stadt unterwegs ist, dient ihr der «Cheese-Tower» als Orientierungspunkt.

Für Sabine und Peter Ranker ist Hollie derzeit die dritte Tochter. Genauso wie ihre eigenen Kinder Lena (15) und Julia (16) hat die junge Australierin einen Adventskalender. «Sie ist kein Gast, sondern gehört zur Familie», erzählt Sabine Ranker.

Über den Bayerischen Jugendring kam der Schüleraustausch zustande. Von Mitte Februar bis Ende April dieses Jahres war Julia Ranker bereits bei der Familie Griffiths «Down Under» . Die Schülerin des Türkheimer Joseph-Bernhart-Gymnasiums wurde dafür vom Unterricht befreit. In Australien geht das nicht. Hollie «opfert» ihre Sommerferien, die sie im winterlichen Allgäu verbringt. Und genau das gefällt der jungen Frau.

Nicht nur das Wetter ist in Deutschland ganz anders als in Australien - auch das Schulsystem. Hollie besucht die elfte Klasse und hat nur fünf Fächer: Mathematik, Deutsch, Englische Literatur, Geschichte und «Health» (Gesundheit). In «Health» lernen die australischen Schüler, wie der menschliche Körper funktioniert oder sie erfahren etwas über gesunde Ernährung. Derzeit nimmt Hollie mit Julia am Unterricht am Joseph-Bernhart-Gymnasium teil. «Das finde ich ziemlich langweilig, weil ich so wenig verstehe», erklärt sie.

Eine Woche nach Berlin

Deshalb freut sich jetzt die ganze Familie umso mehr auf die Weihnachtsferien. Die Rankers haben sich viel vorgenommen. Sie wollen Hollie Schloss Neuschwanstein zeigen und mit ihr Ski fahren. Mitte Januar besuchen die australischen Austauschschüler zusammen mit Betreuern eine Woche lang Berlin. Ende Januar fliegt Hollie zurück nach Australien. Aber sie ist sich jetzt schon sicher: Es war vielleicht die erste, aber nicht die letzte Reise nach Deutschland. Sie will noch mehr davon sehen und auch andere europäische Länder besuchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018