Prädikat: Unbedingt ansehen

Dem Theater Blauer Kater gelingt mit Shakespeares 'Othello' der ganz große Wurf Lindau (pat). Wir sprechen von einem, 'der nicht klug liebte, doch sehr', von einem Eifersuchtsdrama, von Intrigen, von falschen und echten Freunden, von Neid und Habgier, kurz: Wir sprechen von Shakespeares Othello. Das Theater Blauer Kater setzte mit der Premiere den würdigen Höhepunkt der vierteiligen Veranstaltungsreihe 'Shakespeare zu Gast in Lindau.'

Ein Drama, wie es auch heute noch passieren könnte. So steckte Regisseurin Elisabeth Gessau ihre Schauspieler in zeitlose Kostüme und erarbeitete eine gestraffte Fassung für neun Darsteller. Jede Menge überflüssige Edelmänner wurde eingespart und auch nicht vermisst. Eine offene Bühne, aufs Wesentlichste beschränkt, überraschte mit vielen Variationsmöglichkeiten. Auch der Sparkassensaal erwies sich als schöne Spielstätte, viel angenehmer als der nüchterne Kolpingsaal. Schon zwei Jahre spukte die Idee, den Othello auf die Bühne zu bringen, in Elisabeth Gessaus Kopf herum und wurde dann zu einem 'Warten auf Michael Roth'. Einen Othello, den man nicht anmalen muss, weil er ein Farbiger ist, und der es versteht, kraftvoll, leidenschaftlich, schwer verliebt, wütend und verzweifelt, alle Facetten eines echten Othello meisterhaft auszuspielen. Ein herrlicher Gegenpol dazu Uli Mayer als intriganter Fähnrich Jago. Wie Schachfiguren benutzt Jago die Menschen in seinem großen Plan, Othello zu vernichten. Eine Intrige, die ihresgleichen sucht: Weil er sich in der Beförderungsliste übergangen fühlt, sinnt Jago auf Rache. Sein Ziel ist es, die heile Welt Othellos zum Einsturz zu bringen. Und Othellos heile Welt hat vor allem mit Desdemona, seiner viel geliebten Frau zu tun. Jago spinnt seine Netze, in die alle Beteiligten ohne Argwohn stolpern, versprüht gnadenlos Gift, bis Othello sich erst mit seinem treuen Leutnant Cassio entzweit und dann auch glaubt, seine Desdemona habe ein Verhältnis mit Cassio. Uli Mayer mimt den Schurken so großartig, dass einem der Atem stockt. Sein Spiel ist es, das sich wie ein roter Faden durch die Aufführung zieht. Jeden Moment nimmt man ihm ab, einen wahren Intriganten vor sich zu haben - eine traumhafte Besetzung. Eine andere Besetzung war laut Gessau zuerst ein kleines Wagnis: die junge Alena Sautier in der großen Rolle der Desdemona. Doch sie meistert ihren Part großartig, der erfüllt ist von viel Gefühl, viel Naivität und einem schier unerschütterlichem Glauben an ihren Othello. Ihr zur Seite steht Jagos Frau Emilia, rührend dargestellt von Angela Weyrather, die sich zum Schluss gegen ihren Mann stellt und seine Intrige aufdeckt. Für Peter Kristukat, mit seinem vielschichtigen Mimenspiel als Desdemonas Vater, wünscht man sich unbedingt einer längere Rolle. Auch Manfred Keckeisen als Rodrigo, bekannt aus vielen Produktionen des Blauen Kater, ist wieder einfach klasse. Matthias Schmid als Leutnant Cassio spielt sich gekonnt in die Herzen der Zuschauer, und Bettina Nürnbergk als Kurtisane Bianca, die Leutnant Cassio liebt, weiß auf jeden Fall zu überzeugen. Und dann Michael Roth als Othello schlichtweg ein Traum. Einzig Wolfgang Kullmann als Montano bleibt ein wenig farblos, was aber auch an der Persönlichkeit des zyprischen Statthalters liegen kann. Dem Blauen Kater ist mit dem 'Othello' ein ganz großer Wurf gelungen. Prädikat: Unbedingt ansehen. 'Othello' wird nochmals aufgeführt am 1., 2., 3., 8., 9. und 11. Juli jeweils um 20 Uhr in der Lindauer Sparkasse, Bregenzer Straße, dritter Stock. Karten im Vorverkauf gibt es unter Telefon (08382) 942536.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018