Wangen
Prachturkunde von 1618

Auf Pergament mit gestochen scharfen Buchstaben geschrieben, verziert mit handgemalten Figuren: So wurde die Gründungsurkunde der Rosenkranzbruderschaft aus dem 17. Jahrhundert, die beim Aufräumen auf dem Dachboden des Wangener Pfarrhauses St. Martin wieder gefunden wurde, in der Spitalkirche erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt.

Er ist der Schatzgräber von St. Martin. Pastoralreferent Stephan Wiltsche traute seinen Augen kaum, als er auf dem Dachboden des Pfarrhauses die alte Urkunde fand. «Sie lag unbeachtet in einer Ecke», erinnert sich Wiltsche und kann es auch heute noch kaum glauben, auf was für ein Kleinod er gestoßen ist, auf was für einen «sensationellen Fund».

Die auf Pergament geschriebene Urkunde aus dem Jahre 1618 ist die Gründungsurkunde der Wangener Rosenkranzbruderschaft, eine ursprünglich von den Dominikanern gestiftete Laienbruderschaft, die zuerst in Flandern und in Köln im 15. Jahrhundert gegründet wurde, um die Frömmigkeit der Bevölkerung durch das Rosenkranzgebet zu vertiefen. Nicht nur das Alter des gut erhaltenen Dokuments begeisterte die lokale Fachwelt.

Auch die Tatsache, dass diese Urkunde eigens für Wangen geschrieben worden sein muss, sorgte bei der Untersuchung für Aufregung, werden doch neben den Patronen Martinus und Markus ebenso der Kaplan der Bruderschaft und der spätere Pfarrer der Kirche namentlich erwähnt.

Die schwarz geschriebenen Buchstaben sind gestochen scharf, die Figuren der Heiligen handgemalt und nicht verblasst. Eine Madonnenfigur in der Mitte der Urkunde überreicht einem Dominikaner den Rosenkranz als Kennzeichen für die katholischen Papstgetreuen.

Eingeladen zu dieser ersten Präsentation der Gründungsurkunde hat der Rotary Club Wangen-Isny-Leutkirch. Da der Club die Patenschaft für die Restaurierung der Zürn-Madonna im Hauptaltar der Spitalkirche übernommen hat, war es Präsident Rudolf Biselli ein Anliegen, den Besuchern in der Spitalkirche nicht nur den Fortschritt der Bauarbeiten selbst zu zeigen, sondern auch eben jene Urkunde zu präsentieren.

Den Zusammenhang zwischen Madonna und Urkunde erklärte Stadtarchivar Dr. Rainer Jensch den Gästen: Die von Johann Zürn dem Jüngeren geschaffene Madonna, die heute im Hauptaltar der Spitalkirche steht, sei ursprünglich in St. Martin auf einem Seitenaltar platziert gewesen.

Dieser Altar wiederum, der Rosenkranzaltar, wurde von der Bruderschaft gestiftet und unterhalten, die Madonna von den Brüdern und Schwestern der Gemeinschaft in Auftrag gegeben. Bei der Umgestaltung der Altäre in St. Martin seien die zwölf Rosenkranzmedaillons in der Rochus-Kapelle gelandet, «die schönste Gottesmutter Wangens jedoch» in der Spitalkirche.

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