Sonthofen / Oberstdorf
Positive Impulse fürs Leben mitgeben

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Zwei Oberallgäuer wurden vom Deutschen Skiverband als Trainer des Jahres ausgezeichnet (wir berichteten): Sabine Dotzler und Thomas Müller vom Stützpunkt Oberstdorf. Sabine Dotzler trainiert dort die Skilangläufer, Thomas Müller ist seit der Saison 2004/2005 für die Nordischen Kombinierer zuständig. Wir sprachen mit beiden über die Auszeichnung, ihre Trainingsphilosophie und die Rahmenbedingungen im Oberallgäu.

Welchen Stellenwert hat die Auszeichnung für Sie?

Sabine Dotzler: Man freut sich, dass die Arbeit anerkannt wird. Es ist eine schöne Auszeichnung.

Thomas Müller: Der Titel ist für mich eigentlich nebensächlich. Die echte Wertschätzung hole ich mir aus der täglichen Arbeit mit den Aktiven.

Was zeichnet einen erfolgreichen Trainer aus?

Sabine Dotzler: Im Umgang mit den Jugendlichen ist es wichtig, sie so zu motivieren, dass sie mitziehen. Ein guter Trainer braucht auch Konsequenz. Er muss im Training präsent sein und zeigen, dass jedes einzelne Training wichtig ist.

Thomas Müller: Neben der fachlichen Kompetenz und den eigenen Erfahrungen sollte ein guter Trainer über viel Einfühlungsvermögen, Geduld und auch Verständnis für die Bedürfnisse der jungen Sportler verfügen. Es zählt nicht nur der Erfolg der Schützlinge, sondern vor allem, wie sich diese im Ganzen, in ihrer Persönlichkeit entwickeln. Erfolg ist auch Lernen und Weiterentwicklung.

Wie motivieren Sie Jugendliche?

Sabine Dotzler: Wenn man selbst begeistert bei der Sache ist, überträgt sich das meist auch auf die Jugendlichen. Dass die keine Lust haben, kommt ohnehin selten vor. Viel eher muss ich ab und an mal bremsen. Wichtig ist, die jungen Sportler immer ernst zu nehmen.

Thomas Müller: Im Grunde müssen auch junge Leistungssportler von sich aus motiviert sein, um etwas zu erreichen. Sie müssen wollen. Die Aufgabe des Trainers ist es, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen und auch dafür zu sorgen, dass immer wieder Erfolgserlebnisse entstehen. Wichtig ist, dass der Trainer bei Niederlagen oder Leistungsstagnation hinter dem Sportler steht. Es ist eine seiner Hauptaufgaben, dazu beizutragen, ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen.

Wer schafft letztendlich von den Talenten den Sprung nach ganz oben?

Sabine Dotzler: Es spielen viele Faktoren eine Rolle: Die richtige Einstellung, dass man im Training mitdenkt, das richtige Körpergefühl

Thomas Müller: Der Begriff «Talent» wird in der Diskussion immer reduziert auf körperliche Veranlagungen. Wer den Willen aufbringt etwas zu erreichen und weiß, was er dafür tun muss, der wird es auch schaffen.

Was gibt Ihnen die Arbeit mit dem Nachwuchs?

Sabine Dotzler: Ich arbeite sehr gerne mit Jugendlichen. Sie sind sehr ehrlich und ich weiß immer, woran ich bei ihnen bin. Es macht Spaß, wenn sie mitziehen, und oft geht es beim Training auch lustig zu.

Thomas Müller: Es ist schön und ermutigend zu sehen, welche Freude speziell die jüngeren Sportler an der Bewegung und am Training haben und deren Entwicklung mitzuerleben. Nicht alle schaffen den Sprung in einen Kader des Deutschen Skiverbandes. Aber das Gefühl, den Jugendlichen eine Zeitlang positive Impulse für deren Lebensweg mitgegeben zu haben, ist ein Aspekt der Arbeit.

Es geht es darum, dazu beizutragen, dass sich starke Persönlichkeiten bilden, und das nicht nur bezogen auf den Leistungssport, sondern ganz allgemein.

Wie sind die Trainingsbedingungen und Strukturen im Allgäu, das Zusammenspiel zwischen Schule und Leistungssport?

Sabine Dotzler: Mit dem Internat in Oberstdorf haben wir gute Voraussetzungen, und die Schule bemüht sich sehr, es den Leistungssportlern unter so einfach wie möglich zu machen. Mit den Bergen und auch den Strecken in den Tälern haben wir sehr gute Trainingsmöglichkeiten. In Deutschland gibts keinen besseren Fleck für Skilanglauf.

Thomas Müller: Bekanntlich sind die Trainingsbedingungen am Stützpunkt Oberstdorf optimal für alle Skisportarten. Wer hier gut werden will, dem steht nichts im Wege. Dazu tragen auch die örtlichen Schulen mit ihren engagierten Lehrern bei. Eine weitere starke Säule bildet der Förderverein PROSPORT Allgäu/Kleinwalsertal, ohne dessen finanzielle Unterstützung so manche Trainingsmaßnahme nicht möglich wäre.

Was könnte noch besser werden?

Sabine Dotzler: Die Schüler haben trotz allen Bemühungen sehr viel Stress, vor allem in der Oberstufe. Wenn sie wegen der Doppelbelastung müde sind, werden sie auch schneller krank. Schule und Sport zu vereinbaren ist schwieriger als Profi zu sein.

Thomas Müller: Leider gibt es im Allgäu mit dem SV Casino Kleinwalsertal, dem TSV Buchenberg und dem SC Füssen neben dem SC Oberstdorf viel zu wenig Vereine, die das Skispringen und die Nordische Kombination fördern. Und es gibt keinen hauptamtlichen Trainer, der für die gesamten Allgäuer Vereine in diesen beiden Disziplinen etwas voranbringen könnte.

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