Porträt des Kurfürsten erworben

Marktoberdorf | sg | Er war der Sohn des polnischen Königs und sächsischen Kurfürsten August III. und Enkel des habsburgischen österreichischen Kaisers Josef I. Clemens Wenzeslaus. 1739 wurde er in Breslau oder in Sachsen geboren - hier unterscheiden sich die Angaben in seinem Lebenslauf. 1812 starb er in Marktoberdorf, wo er auch begraben ist. Viel hat Oberdorf dem bischöflichen Kurfürsten zu verdanken, der viele Sommermonate und seine letzten Lebensjahre hier im Schloss verbrachte. Jetzt erwarb die Stadt ein Gemälde, das ihn als jungen Mann zeigt. Es wird im Stadtmuseum seinen Platz finden.

Als jüngstes von 14 Kindern geboren schlug der Prinz zunächst eine militärische Laufbahn ein. Aber noch als junger Mann entschied er sich für den geistlichen Beruf. Schon 1763 fielen ihm zwei Bistümer zu, das von Freising und das von Regensburg. 1768 wurde er zum Erzbischof von Trier gewählt, stand damit mit 28 Jahren auf einer der höchsten Rangstufen im Reich. Im gleichen Jahr wurde er Fürstbischof von Augsburg.

In Oberdorf, wo er das Schloss sein Eigen nannte, dürfte er erstmals 1773 gewesen sein. Erst 1793 traf er erstmals mit Hofgefolge zu längerem Aufenthalt ein, der sich vom 29. Juli bis 10. September erstreckte. Zum Sommeraufenthalt kam er in den folgenden Jahren wegen der Kriegswirren nur 1795 und 1799. 1800 musste er - auch er war von der französischen Revolution und von Napoleon nicht verschont geblieben - nach Sachsen fliehen, wo er elf Monate verweilte. Nach seiner Rückkehr im Frühjahr 1801 wurde er vom Pflegamt zum Besuch Oberdorfs eingeladen. Am 7. Juli traf er hier ein, vom Amt und der Gemeinde feierlich empfangen. Es war dies sein letzter Aufenthalt als Landesfürst. Nachdem ihm von Staat Bayern das Schloss zur Nutznießung bis an sein Lebensende überlassen wurde, verbrachte er von dort an die Sommermonate stets in dieser zweiten Residenz bis zu seinem Tod 1812.

Ein Bildnis des älteren Kurfüsten befindet sich bereits im Stadtmuseum. Jetzt wurde der Stadt ein Gemälde angeboten, das ihn als jüngeren Mann, aber schon als Geistlichen zeigt. Es befand sich in Privatbesitz von Rudolf Otto Fischer in Österreich. Dessen Vater, so Kulturreferent Rupert Filser, war Sammler. Auch das Gemälde des jungen Clemens Wenzeslaus befand sich in seinem Besitz. Allerdings, so erläuterte Fischer bei der Übergabe, sei bis vor kurzem davon ausgegangen worden, dass das Bild Maximilian Franz Kurfürst und Erzbischof von Köln und Fürstbischof von Münster (jüngstes Kind der Kaiserin Maria Theresia) darstellt. Dies habe sich nun eindeutig als falsch erwiesen.

Zugeordnet wird das Bild, das auf Holz gemalt ist, dem Künstler Heinrich Foelix, der den Prinzen Clemens Wenzeslaus in verschiedenen Altersperioden malte. Bürgermeister Werner Himmer meinte bei der Übergabe des Porträts im Stadtmuseum, die Stadt habe hier einen Glücksgriff getan. Denn beinahe wäre es in eine Auktion in Wien geraten. Rudolf Otto Fischer aber hatte es noch rechtzeitig der Stadt angeboten. Er wusste um die Beziehung Marktoberdorfs zu Clemens Wenzeslaus, denn er hatte mit der Familie Aubele Verwandtschaft in Marktoberdorf, wo er als Kind öfter weilte.

Laut Filser hatte Fischers Vater, Rechtsanwalt und Historiker in Ulm, das Porträt 1960 in München ersteigert. Es entstand um 1770. Wie viel die Stadt für das Porträt bezahlt hat, wurde nicht bekannt. Himmer: 'Es war ein vertretbarer Preis.'

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019