Kempten
Politisch und poetisch

Der Mann kennt keine Umwege, keine Verstellung, keine Scheingefechte. Er sagt und singt was er denkt, klar, direkt und so, wie ihm der bayrische Schnabel gewachsen ist. Der Mann ist authentisch. Ein Attribut das zu oft und zu schnell benutzt wird, auf Hans Söllner, der nun in der Kultbox zu erleben war, aber zutrifft.

Der 54-jährige Liedermacher aus Reichenhall hat seit fast 25 Jahren eine treue Fangemeinde. In Kempten konnte man aber sehen, dass sich inzwischen überwiegend junge Menschen für ihn begeistern. Der Musiker kam zunächst mit Gitarre, Mundharmonika, Aktenordner und einer Zeitung auf die Bühne. Im Aktenordner waren die Lieder sauber aufbewahrt, Hans Söllner aber widmete sich zuerst in spontanem, improvisierendem Plauderton der Zeitung. Da war nichts Einstudiertes, Vorbereitetes in seinen oft auch recht drastischen und derben Kommentaren zu den aktuellen Meldungen. Er amüsierte sich köstlich über Absurditäten und Widersprüche im politischen System.

Mit viel Ironie und Engagement kreiste Söllner, dessen Auseinandersetzungen mit den Behörden fast schon legendär sind, um die Themen Polizei, Staatsanwalt und andere staatliche Institutionen. Der unbeugsame Barde nahm sich Zeit und erzählte erst einmal die 25 Minuten lang. Alles entstand aus dem Moment heraus. Kaum schlug er einen Akkord für ein Lied an, griff er wieder auf die Zeitung zurück und ließ seinen anarchischen Verdrehungen und surrealen Assoziationen freien Lauf.

Seine Stärke ist das Lachen

Hans Söllner äußert sich nie beliebig, sondern schöpft aus seinen handfesten Überzeugungen und reichen Lebenserfahrungen. Wenn er auch benennt, um was es ihm geht, wirkt das nie wie eine mahnende Botschaft. Er fordert auf hinzuschauen, Ungerechtigkeiten wahrzunehmen, sich einzumischen.

Er macht das ohne Attitüde oder Eitelkeit. Seine Stärke ist das Lachen, der Witz, den er in seinen Erzählungen und Bildern als gelebte Haltung vorführt.

In seinen Liedern, die an diesem Abend von Bass und Schlagzeug zu einem satten Sound ergänzt wurden, beschreibt er nicht nur politisch Brisantes, er singt auch poetische Balladen, die von Liebe, Selbstverlust und Dankbarkeit an Gott erzählen.

Bei dem Liedtext «Schüttle deinen Kopf, lass fliegen deine Dreadlocks» fingen die ersten Träger dieser Haartracht zu tanzen an. Ihnen folgten weitere nach bis alle auf den Beinen waren und am Ende des Konzertes hartnäckig Zugaben erklatschten, die Söllner in großer Zahl gab.

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