Politik ist nichts Verstaubtes

Obergünzburg/Ostallgäu | dec | 'Wir wollen zeigen, dass Politik nichts Verstaubtes ist', nannte Erich Nieberle, Geschäftsführer des Kreisjugendrings (KJR), das Ziel einer Podiumsdiskussion im Jugendzentrum 'Alte Woag' in Obergünzburg. Dazu hatte das Ostallgäuer Schülermanagement (OaSe) die drei Landratskandidaten, Angelika Schorer (CSU), Johann Fleschhut (Freie Wähler) und Endhardt (Bündnis 90/Die Grünen), eingeladen. Favorit der Wählerschaft von morgen: Hubert Endhardt. 'Er kann am besten mit der Jugend umgehen', sagt Rebekka Holderried (17 Jahre) von der Realschule Obergünzburg. 'Er kam am sympathischsten rüber', schließt sich ihr der Obergünzburger Hauptschüler Christopher Weiß (16) an.

Rund 30 junge Leute verfolgten die Diskussion. 'Es war lässig, cool und informativ', fasst Timo Willburger (16) zusammen. Der Obergünzburger Realschüler erlebte 'zum ersten Mal einen solchen Interessenaustausch zwischen Jugendlichen und Politikern'. 'Es ist super, dass Sie sich Zeit nehmen für die Jugend', lobte ein anderer junger Mann die Kandidaten. 'Verwunderlich' fand er nur, dass das Treffen in so kleinem Kreis stattfand. 'Wir konnten nicht mehr machen, als Werbung über Schulen und Zeitung', sagt OaSe-Motor Regina Renner. Ein Problem sei vielleicht die Ortswahl gewesen. Obergünzburg aber wurde deshalb als richtig erachtet, weil in erster Linie Schüler von dort die Fragen für die Diskussionsrunde ausgearbeitet hatten.

Wenige Angebote im Nahverkehr

Die Jugendlichen interessierten sich dabei für viele Themen: Nicht nur der Wunsch nach eigenen Räumen für die Schülermitverwaltungen (SMV) wurde laut. Auch der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) lag ihnen am Herzen. 'Wie könnte man hier die Preise senken', wollte Rebekka wissen. Für Angelika Schorer ist das ein 'wichtiges Anliegen, da die Angebote im Landkreis sehr löchrig sind'. 'Der ÖPNV lebt von der Jugend', schloss sich Endhardt an. Er könne sich eine Netzkarte vorstellen, wie es sie in anderen Kreisen bereits gebe. Mit dieser können Jugendliche für einen Pauschalbetrag im Monat alle Busverbindungen nutzen. Auch Fleschhut will in seinem vergangene Woche verabschiedeten ÖPNV-Gutachten die Jugend mehr einbinden. Bei der Frage nach einem attraktiveren Schienennetz plädierte er dafür, die 'langsame Blumenpflückbahn Kaufbeuren - Füssen schneller zu machen'. Dem stimmten die anderen Kandidaten zu. Schorer will zudem für den Erhalt des Stundentakts kämpfen und wenn nötig Schienenersatzverkehr einsetzen. 'Wir müssen hier mal Tacheles reden', begann Endhardt seine zweiminütige Redezeit. 'Wir planen Veränderungen beim ÖPNV im Kreistag schon seit sechs Jahren. Aber auch heuer wurde wieder kein Geld dafür in den Haushalt eingestellt', kritisierte er.

Mit Prävention gegen Gewalt

Bei Christophs Frage nach Maßnahmen gegen Jugendgewalt, nannten alle drei Kandidaten Prävention als Schwerpunkt. Laut Fleschhut wird daran auch bereits gearbeitet, zum Beispiel durch Schulsozialarbeit. 'Wir müssen mit der Prävention bereits in der frühen Jugend beginnen und die Eltern einbinden', forderte Schorer. Endhardt will zudem bereits bei den derzeit jungen Erwachsenen präventiv mehr unternehmen. Das gehe nur über den Aufbau persönlicher Bindungen zum Beispiel in Jugendzentren.

Musik und Sport

Im Bereich Musik und Sport wollten die Jugendlichen wissen, wie der Landkreis sie bei Hobbyturnieren und Konzerten unterstützen kann. Endhardt schlug ihnen vor, eine eigene Hobbyliga zu gründen und sich an eine Jugendzentrum anzuschließen. Darüber könnte dann Unterstützung durch den Kreis kommen. 'Der Landkreis kann Sportplätze oder Hausmeisterdienste anbieten, muss aber nicht immer über allem stehen', setzt Fleschhut hier eher auf 'Hilfe zur Selbsthilfe'. Schorer brachte das 'gut funktionierende Vereinssystem' ins Spiel und möchte 'Sporteinrichtungen schulübergreifender nutzen, um Kontakte zwischen den Schularten zu intensivieren'. Viele Begeisterung erntete Endhardt mit seinem Versprechen, falls er Landrat werde, 'den schallgeschützten Innenhof des Landratsamtes für Heavy-Konzerte zu nutzen'.

Unterschiedlich geprägt

Als es schließlich darum ging, was die einzelnen Kandidaten ausmacht, meinte Fleschhut: 'Ich bin ein Dorfkind. Meine Orientierung liegt im ländlichen Raum.' Außerdem sei es für einen Landrat sinnvoll, wenn er wie er aus der Wirtschaft komme. Angelika Schorer möchte sich als kampfgewohnte Älteste unter drei Geschwistern vor allem für Frauen und Beruf einsetzen. Als vierfache Mutter wisse sie zudem, wie man Jugendlichen zur Seite stehe. Auch Endhardt sieht sich als Jugendleiter, Lehrer und fünffacher Vater 'sehr nahe dran an der Jugend'.

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