Philipp will wie seine Brüder sein

Kempten | mori | Als Philipp (27) im Oktober die Zusage für einen Wohnplatz bekam, durchlebten seine Eltern, Inge und Professor Dr. Ernst Führich, Freude und Abschiedsstimmung zu gleicher Zeit. Inzwischen hat sich Philipp in die Wohngemeinschaft Haslacher Straße der Lebenshilfe Kempten gut eingewöhnt. Gemeinsam mit elf Gleichgesinnten und Arbeitskollegen, die ebenfalls eine geistige Behinderung haben, erlebt er den Alltag: Er steht mit Freude am Koch-topf, räumt wie die anderen den Ge-schirrspüler aus, verbringt seine Abende mit den WG-lern und fühlt sich in seinem 'eigenen Reich' so pudelwohl, dass er den nächsten Wochenendbesuch bei seinen Eltern erst zu Weihnachten vorsieht.

Sein eigenes Reich hatte Philipp am Zeisigweg auch - im 'Hotel Mama'. Dennoch sprach der sportliche 27-Jährige in diesem Jahr auffallend oft von seinem Wunsch, endlich auszuziehen. 'Philipp hat noch zwei Brüder. Als nun der jüngere auch seine Kisten fürs Studium packte, wurde es im Haus ruhig', erzählen Führichs. Mit seinem Auszugswunsch wollte Philipp wohl 'wie die Brüder' sein.

Auch der Stolz, mit dem der 27-Jährige 'sein eigenes Zimmer' zeigt, weist darauf hin. Das Mobiliar ist vertraut, stammt aus seinem Elternhaus. Die farbige Decke hinterm Bett ist wichtig und die Bayern-Fahne ein 'Muss', genauso wie das Plakat von Tokio-Hotel. 'Philipp weckt uns in der Früh mit Musik', schmunzeln seine Mitbewohner.

Der Kontakt zwischen Eltern und Sohn ist nach wie vor eng. Vor allem Philipps Mutter freut sich, wenn sie ihren Sohn einmal pro Woche zum Training ins TaekwonDo-Centrum von Joachim Reinhardt fahren kann. Von ihr stammt auch die adventliche Deko in Philipps Zimmer. Auch ge-meinsame Sporturlaube an die See oder in den Schnee sind für den 27jährigen akzeptabel. Ansonsten gilt für ihn: Zu Besuch ins Elternhaus für ein paar Stunden - 'das ist ok' - aber sein Zuhause, das ist jetzt die Wohngemeinschaft Haslacher Straße.

144 Plätze in sechs Wohnungen

Seit 30 Jahren schafft die Lebenshilfe Kempten Wohnplätze für erwachsene Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung. Aktuell sind es 144 in sechs Wohngemeinschaften, in Außenwohngruppen und ambulant betreutem Wohnen.

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