Pharma-Konzern wollte Stadion-Namen kaufen

Von Jürgen Stöcker Oberstdorf Auch nach der jüngsten Oberstdorfer Gemeinderats-Sitzung ist der Streit um die Namensgebung für das neue Skisprung-Stadion nicht ausgestanden. Einige Kommunalpolitiker wollen eine Umbenennung der traditionellen Bezeichnung Schattenberg in Allgäu Arena nicht hinnehmen. SPD-Ratsmitglied Alexander Rößle drohte gar damit, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Aber rein formal hat das Kommunalparlament in dieser Frage überhaupt keine Entscheidungs-Vollmacht mehr. Denn, so begründete es die Verwaltung: Die Marktgemeinde sei auf eigenen Beschluss nur zu 50 Prozent an jener Kommandit-Gesellschaft beteiligt, die als Bauherr für die WM-Sportstätten auftritt. Und damit habe sie bei Abschluss des Gesellschafter-Vertrags auch das Namensrecht aus der Hand gegeben. Zwar besagt ein altes Sprichwort, Namen seien nur Schall und Rauch. Das aber gilt nicht mehr in Zeiten des modernen Sport-Sponsorings, ohne das Großveranstaltungen wie die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2005 kaum finanzierbar sind. Immerhin 150000 Euro Einnahmen will die Nordische Ski- und Sportgesellschaft (Gmb H & Co KG) jährlich mit der Namensvergabe für das Stadion erwirtschaften. Ein Betrag, den der Medikamenten-Hersteller Ratiopharm gerne auf den Tisch gelegt hätte, wie Bürgermeister Thomas Müller versicherte. Dann wäre am Schattenberg eine Ratiopharm-Arena eingeweiht worden. Prominente Vorbilder dafür gibts: Wie das neue, durch einen angeblichen Bestechungs-Skandal in die Schlagzeilen geratene Münchner WM-Allianz-Fußballstadion.

Festlegung auf Partner verhindert Genau um diese Festlegung auf einen kommerziellen Partner zu verhindern, kamen die Verantwortlichen für die Organisation der Ski-WM unter ihnen Landrat Gebhard Kaiser auf die Idee, das jüngste Oberstdorfer Sport-Kind auf den regional geprägten Namen Allgäu Arena Oberstdorf zu taufen. Verblüfft und verärgert stellte mancher Politiker fest, dass flugs entsprechende Prospekte bereits zur Vor-WM gedruckt wurden: Noch ehe wir als Gemeinderat die uns zustehende Entscheidung überhaupt getroffen haben, kritisierte Sozialdemokrat Rößle. Jetzt drängt die Zeit, mahnte Rößle, da sich der unerwünschte Allerweltsnamen ,Allgäu-Arena langsam in der Presse verfestigt. Bei Gründung der Bauherren-KG ging es seinerzeit vor allem darum, legal steuerliche Vorteile nutzen zu können, die dem Markt Oberstdorf viel Geld sparen. Dass die Gemeinde damit allerdings auch bei bestimmten Entscheidungen, wie der Vermarktung des Stadion-Namens, aus dem Spiel ist, will mancher nicht so recht glauben. 3. Bürgermeister Albert Vogler erinnerte daran, dass die damalige Zustimmung zu einer KG eine Eilentscheidung gewesen sei. Deshalb kann doch der Nutzungsvertrag nicht so umfassend sein. CSU-Fraktionschef Edmund Seiller verglich die Debatte mit dem Märchen vom Rumpelstilzchen (Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß). Für jeden Namen gebe sich die christsoziale Fraktion allerdings nicht her. Bürgermeister Müller versuchte, die Wogen zu glätten: Weder die KG noch der Ski-Club hätten ein Interesse daran, den Willen des Gemeinderats zu ignorieren. Das Thema Stadion-Namen solle demnächst abschließend besprochen werden, wenn es in einem Gesamt-Paket um die endgültige Betreiberschaft der Wintersportstätten gehe. FW-Gemeinderat Oskar Fischer setzte dann auch, ohne Widerspruch zu ernten, recht drastisch den Schlusspunkt: Heute wird nicht mehr darüber diskutiert. Jetzt heißts: Maul halten!

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