Pfiff sollte den Hasen anlocken

Marktoberdorf(sg). - Dem Osterhasen muss man pfeifen. Viktoria Reimann kann sich gut erinnern, wie ihr Vater die Lippen spitzte und den Mümmelmann lockte. Mit acht Geschwistern ist sie in Wildberg bei Görisried aufgewachsen. Aber so üppig beladen wie heute war der Osterhase in ihrer Kindheit nicht. 'Eine Kiste voller Eier für alle gab es, mehr nicht.' Von der Patin, dem 'Dodle' bekam sie einen roten Zuckerhasen. Und dann fällt der 89-Jährigen ein, dass sie auch die Fähnchen für das gebackene Osterlamm selbst gebastelt hat. Viktoria Reimann gehört zum Kreis von Frauen, mit denen Ehrentraut Hölzle alle zwei Wochen für ein paar Stunden im Gulielminetti-Altenheim arbeitet. Ihre Erinnerungen stehen dabei im Mittelpunkt. Diesmal ist das Thema 'Ostern' an der Reihe. Sie kommen aus unterschiedlichen Regionen, und genau so unterschiedlich sind die Erinnerungen der Frauen. Ostern - das ist für die einen mit Eier färben und der Osterbeichte verbunden, andere erzählen von der Zubereitung des Hefeteiges für den Osterfladen, der zum Backen zum Bäcker gebracht wurde. 'Und wenn er nicht gelang, war die Mutter sehr traurig'. Wieder anderen ist besonders das Putzen vor dem Fest in lebhafter Erinnerung geblieben. Die älteren Schwestern mussten kräftig mithelfen, während sie zum Spielen nach draußen geschickt wurde. Ostern - das war immer auch der beginnende Frühling. Endlich konnte wieder der Strohhut aufgesetzt werden. 'Und das musste sein, auch wenn es stark geregnet hat'. Eine Näherin erzählt, dass sie vor dem Fest immer besonders viel Arbeit hatte, 'damit die Damen auch rechtzeitig zu ihrem neuen Kleid kamen.' Je länger das Gespräch geht, desto mehr Erinnerungen werden wach. Auch an bestimmte Speisen. Natürlich wurde an Karfreitag kein Fleisch gegessen. 'Krautnudeln, Dampfnudeln oder andere Mehlspeisen gab es', sagt Viktoria Reimann. Am Karsamstagmittag kam Fleischsuppe auf den Tisch, am Ostersonntag dann eine Knödelsuppe und Braten. Im Herrgottswinkel stand der geweihte Palmbuschen. 'Und wenn unterm Jahr ein Gewitter kam, hat sich die Familie darum versammelt und hat gebetet', erzählt die 89-Jährige. Er sollte Haus und Hof schützen. Viele andere der überlieferten Osterbräuche zielen ebenfalls darauf ab. Besondere Wirkung wurde dabei den an Karfreitag gelegten Eiern zugesprochen, wie Winfried Frischmann, Leiter des Heimatmuseums in Marktoberdorf, weiß. Sie wurden in der Osternacht zur Weihe getragen und jedes Familienmitglied hat davon gegessen, um vor Krankheit geschützt zu sein. Die Schalen seien aufbewahrt worden. Und wenn ein Gewitter im Anzug war, hat man sie ins Herdfeuer geschmissen, um Unheil abzuwenden. Sie wurden auch im Acker vergraben, um ihn fruchtbar zu machen. Karfreitagseier wurden aber auch im Haus aufbewahrt. Wenn jemand krank wurde, legte man das Ei unters Bett. Es sollte neue Kraft geben. Die Jugend vergnügte sich mit Eierspielen. Gelang es, ein Ei übers Dach zu werfen, schonte dies vor Blitzschlag. Das Eierspicken war besonders beliebt, konnte dabei doch das eine oder andere Ei dazugewonnen werden: Zwei Gegner ließen je ein Ei aufeinander prallen. Wessen Ei ganz blieb, bekam das Zerschlagene dazu.

Suche nach Eiern nicht üblich Das Eiersuchen war im Allgäu offensichtlich in alten Zeiten nicht üblich. Winfried Frischmann kennt dies aus seiner Jugend nicht. Auch die Frauen vom Gulielminetti-Altenheim können davon nichts erzählen. Aber das Eierfärben, das Ehrentraud Hölzle mit ihnen veranstaltet, macht ihnen riesigen Spaß. Und ein Lächeln huscht ihnen übers Gesicht, wenn sie von früher erzählen. Seit rund einem Jahr arbeitet sie gezielt mit der Gruppe. Im Mittelpunkt steht eine Methode, die einen neuen Umgang mit älteren Menschen pflegt. Ihr Wissen, das sie sich bei einer Schulung angeeignet hat, gibt sie auch ans Pflegepersonal weiter. Und wenn sich die Gruppe nächste Woche wieder trifft, wird gemeinsam gekocht.

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