Kaufbeuren / Ostallgäu
Patientenwäsche im Akkord

Fünf Prozent mehr Lohn trotz leerer Kassen der Kommunen? Diese Tarifforderung der Gewerkschaft Verdi stößt bei vielen auf Unverständnis. Daher erläuterten Gewerkschafter bei einem Pressegespräch in Marktoberdorf die Hintergründe: Es gehe um eine Wertschätzung der Arbeit im Öffentlichen Dienst. Am Beispiel der Kliniken zeigten sie auf, wie sich die Verantwortlichen bei Krankenschwestern und -pflegern vor Zuschlägen drücken und wie sehr das Personal am Limit arbeite.

Konkret wurde Wolfgang Kurschus, Vorsitzender des Fachbereichs Gesundheit bei Verdi Allgäu und Betriebsratsvorsitzender bei den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren: Eine Krankenschwester mit 1846 Euro Gehalt bekomme für die Nachtschicht nur 1,28 Euro Zuschlag pro Stunde. Mit 3,50 bis 4 Euro wäre man zufrieden.

Beispielsweise in der Papierfabrik seien Zuschläge von über 100 Prozent üblich, ergänzte Beppo Miller von der Personalvertretung in der Krankenhaus GmbH des Landkreises Weilheim-Schongau. Miller wusste, dass viele Stationen an den Kliniken mehr als 1000 Überstunden vor sich herschieben - bei 15 Mitarbeitern. Ähnlich sei es im Ostallgäu, so Kurschus.

Oft sprängen Schwestern sehr kurzfristig für erkrankte Kollegen ein. «Viele kommen, auch wenn es eng ist», weiß Kurschus. Finanziell rentiere sich das nicht. Bevorzugt hole das Klinikmanagement nämlich Teilzeitmitarbeiter: Bei ihnen gibt es Überstundenzuschläge erst nach 38 Wochenstunden. Gerade hier wolle Verdi Verbesserungen. Denn besonders Mütter entscheiden sich sehr bewusst für einen Teilzeitjob. Aufgrund hoher Abzüge, so Florian Paulsteiner vom Ostallgäuer Klinik-Personalrat, bleiben nur «Peanuts» übrig.

Der Öffentliche Dienst habe seit langem kaum Gehaltserhöhungen bekommen, oft gab es Nullrunden, erinnerte die Gewerkschaftssekretärin Jutta Aumüller. Häufig würden Tarifverträge nicht eingehalten. Leistungsentgelte seien in den Kliniken sehr problematisch, da in der Regel eine Teamleistung vorliege.

Bekommen zwei Kolleginnen einer Station den Zuschlag, störe das den Betriebsfrieden, so Miller. Er berichtete, dass Kollegen mit 58 Jahren Angst haben, ihre Schicht aufgrund hoher Arbeitsdichte nicht zu schaffen. Manche Schwester sei in ihrer Schicht beschäftigt, im Akkord 18 Patienten zu waschen. Für persönlichen Kontakt fehle die Zeit.

Kritik übten die Gewerkschafter an der Ausgliederung von Küchen und Reinigungsdiensten. Anfangs werde das Personal zwar nach dem Tarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt, bei Neueinstellungen gelten aber niedrigere Löhne. Zudem werde von Küchenhilfen aus Buchloe verlangt, dass sie bei geringerem Einkommen täglich den Weg nach Kaufbeuren auf sich nehmen.

Die Fünf-Prozent-Forderung müsse man differenziert sehen, erklärt Brigitte Zach von Verdi Bayern. Das Paket beinhalte vor allem für niedrigere Einkommensgruppen mehr Lohn. Es gehe auch um Zuschläge, um Altersteilzeit und Aufstiegsmöglichkeiten. Ein Problem sei die Befristung von Arbeitsverträgen und die variable Stundenzahl in den Kindertagesstätten. Ansatz von Verdi sei es, in der Krise die Reallöhne zu stärken. Zach ist überzeugt, dass Geld vorhanden sei: Die Milliarden für die Landesbank zeigten dies.

Eine Million für Management

Es sei auch Geld vorhanden für einen «handverlesenen Führungsstab» der Kliniken Ostallgäu/Kaufbeuren, der eine Million Euro Mehrkosten verursache. Gewerkschaftssekretär Manfred Heeb bezweifelt, dass die Manager dies erwirtschaften. Gespart werde beim normalen Mitarbeiter.

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