Kempten
Panisch, gefasst, verzweifelt - die Reaktionen bei Krebs

«Der Krebs hat mich überfallen, verunsichert, gelähmt», war das Thema der Vortragsreihe Forum Krebs im Klinikum. Tatsächlich würden Menschen nach der Eröffnung der Diagnose Krebs sehr unterschiedlich reagieren, sagte Strahlentherapeut Dr. Udo Zimmermann einleitend. Die Reaktionen reichten von Panik und Verzweiflung bis hin zu dem gefassten Hinweis an die Ärzteschaft «Na, jetzt machen Sie mal!». Die Mehrheit der Patienten könne die Tumorerkrankung mit eigenen Ressourcen bewältigen, betonte Diplom-Psychologin Katja Stadelmann im anschließenden Referat.

20 bis 35 Prozent der Betroffenen bedürften der psychischen und sozialen Begleitung. Genau dies sei ihr Arbeitsfeld als Psychoonkologin, die neben ihrer Anstellung beim Bezirkskrankenhaus Kempten auch fürs Brustzentrum arbeitet. Nach dem Diagnoseschock dächten, so Stadelmann, viele Patienten an Siechtum, qualvolle Schmerzen und Tod. Da könne man ein Stück Angst wegnehmen, indem auf die immer bessere Behandelbarkeit von Tumoren hingewiesen werde. Auch gebe es eine deutliche Verlängerung der Lebenszeit mit guter Lebensqualität. In Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppengesprächen würden die neue Situation in Beruf und Familie erörtert, Strategien zur psychischen Bewältigung von Krebs erarbeitet und soziale Kontakte gestärkt.

Dagegen sei mit anderen Denkmodellen aufzuräumen: Für die «typische Krebspersönlichkeit» mit einem depressiven, angepassten Verhalten gebe es keine gesicherten Hinweise. Das gelte auch für angebliche Auslösungsfaktoren wie Stress. Auch positives Denken müsse nicht zwangsläufig zur Lebensverlängerung führen. Möglicherweise würden sich aber solche Menschen weniger mit Suizidgedanken befassen, was bei zehn bis 20 Prozent der Tumorpatienten schon mal vorkommen könne. Wer trotz Krebs ein sinnerfülltes Leben mit ablenkenden Aktivitäten führen könne, der fördert für Stadelmann einen günstigeren Krankheitsverlauf.

In der Diskussion räumte Zimmermann ein, dass es nicht jedem Mediziner gelinge, die Krebsdiagnose «angemessen» zu vermitteln. Worte wie «Sechs Monate haben Sie noch, bringen Sie Ihre Dinge in Ordnung», könne er sich nicht vorstellen. Er habe kein Problem damit, wenn sich Patienten woanders erkundigen und die Krebsdiagnose von anderen Ärzten überprüfen lassen. Allerdings könne eine Flut von Ratschlägen auch verunsichern.

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