Paar ohne Geld ordert teures Gebiss

Von Brigitte Horn Sonthofen Warums dieses Ehepaar auf seine alten Tage vom Rheinland in die Allgäuer Berge verschlagen hat, blieb in der turbulenten Gerichtsverhandlung offen. Allerdings ließen mehrere Offenbarungseide darauf schließen, dass der recht renitent wirkende Ruhestandsbeamte und seine gesprächige Gattin einfach ihren Schulden davonlaufen wollten. Was die Rentnerin allerdings nicht davon abhalten konnte, sich in der neuen Heimat gleich ihr komplettes Gebiss mit einer extrem teuren Implantat-Lösung sanieren und den Zahnarzt dann auf seiner Rechnung sitzen zu lassen. Dass der Mediziner bis heute auf die knapp 23000 Euro Behandlungskosten wartet, focht das Duo auf der Anklagebank offensichtlich nicht die Bohne an. Vielmehr beschwerte sich die 68-Jährige mehrfach, dass ihre wertvollen Dritten Zähne schon beim ersten Mal Brötchen-Beißen kaputt gegangen seien. Und als der Zahnarzt später als Zeuge gehört wurde, erwartete sie gar noch eine Gratisberatung von ihm: Herr Doktor, was machen wir denn da?, wollte die Dame wissen und fletschte ihm ihre unbezahlten Beißerchen entgegen. Det Wort Betrug will ich gar nich hören, det is ne Lüge, wies ihr Mann den Vorwurf der Anklage empört von sich. Schließlich habe er dem Arzt ein Merkblatt der Beamtenkasse über Implantate mitgebracht, in dem ausdrücklich und ausführlich beschrieben war, was zu machen ist und was erstattet wird. Auf den ihm angebotenen Heil- und Kostenplan habe er allerdings verzichtet, räumte der 70-Jährige ein, weil die Kassen den doch bloß in den Papierkorb werfen. Warum es eigentlich kein stinknormales Gebiss sein durfte, fragte Richterin Brigitte Gramatte-Dresse mit Blick auf die desolaten Finanzverhältnisse der Rheinländer (selbstverständlich haben wir Schulden). Dazu berichtete der Zahnarzt, dass die Patientin ausdrücklich Implantate gewünscht und man sich daraufhin gemeinsam mit ihrem Ehemann auf eine hochwertige Lösung geeinigt habe. Abenteuerliche Argumentation Wobei bekannt gewesen sei, dass die Beamten-Beihilfe-Kasse maximal je vier Implantate für Ober- und Unterkiefer bezahlt, erklärte der Zahnarzt. Doch das focht den Staatsdiener a.

D. auch im Nachhinein nicht an. Er berief sich einmal mehr auf das Merkblatt, nach dem sich der Mediziner hätte richten sollen. Doch der habe im Laufe der Behandlung weitere und damit mehr Implantate für notwendig erachtet. Am Ende fühlte sich der Rheinländer allerdings nicht nur für diese Mehrkosten nicht zuständig sondern offenbar für die gesamte Rechnung. Denn er enthielt dem Arzt sogar die von der Kasse tatsächlich erstatteten 13 000 Euro vor. Und zwar mit einer ziemlich abenteuerlichen Argumentation: Weils in Bayern nicht möglich sei, den Beihilfe-Anteil direkt an die Praxis zu überweisen, landete das Geld auf seinem Konto im Rheinland. Und so habe er dort 11000 Euro in bar abgehoben, die er dann später im Allgäu einzahlen wollte. Aber bei einem Verkehrsunfall auf dem Heimweg einige Tage später sei ihm dann die ganze Summe gestohlen worden. Und so blieben die Vollstreckungs-Versuche des Zahnarztes mangels Masse erfolglos. Dass er in der Vergangenheit bereits bei weiteren fünf Ärzten Rechnungen schuldig geblieben und außerdem einen Bekannten um 10000 Euro erleichtert hatte (was ihm drei Monate Gefängnis auf Bewährung einbrachte) schob der Ruheständler mit einem Schulterzucken beiseite. Vielmehr verlangte er lautstark, hier nicht als Betrüger hingestellt zu werden das brauche ich mir nicht bieten zu lassen. Richterin Brigitte Gramatte-Dresse entschied sich schließlich dazu, das Verfahren vorläufig einzustellen mit der Auflage, dass das Ehepaar drei Jahre lang monatlich 150 Euro abstottern muss, damit der Zahnarzt wenigstens zu einem Teil seines Geldes kommt. Kriegen Sie das auf die Reihe?, wollte sie von den Angeklagten wissen. Während die 68-Jährige nickend ihre Zahlungs-Bereitschaft bekundete, wollte ihr Gatte die Summe erst mal auf ein Drittel runterhandeln, weil ich ein armer Mann bin, stimmte dann, von ihr gedrängt, aber doch widerwillig zu.

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