Ostallgäuer Gastarbeiter in Rom

Marktoberdorf | sg | Eine Gedenktafel in Burk bei Bertoldshofen brachte den Marktoberdorfer Chronisten Martin Dömling in den 1960er Jahren auf eine Spur, die Erstaunliches zutage brachte: Schwäbische Bäcker haben verstärkt seit dem Spätmittelalter in Rom ihr Handwerk ausgübt. Bereits 1423 taten sich die deutschen Bäcker in Rom zu einer Bruderschaft zusammen, der laut Dömling im Laufe von nur vier Jahren 200 neue Mitglieder beitraten. Im 16. Jahrhundert übertrafen die deutschen Bäcker in Rom an Zahl und Besitz ihre anderen Landsleute, schreibt Dömling weiter. Aus dem Allgäu, so fand er heraus, wanderten ein Simon Holderiet aus Thingen (Ober- oder Unterthingau) sowie mehrere Nesselwanger aus nach Rom.

Eine ganze Reihe von Auswanderern, Ostallgäuer, die es in alle Welt gezogen hat, stellten wir in den vergangenen Monaten vor. Auswanderer gab es insbesondere zu schlechten Zeiten. Warum gerade viele Bäcker über viele Jahrzehnte aus dem Ostallgäu nach Rom gegangen sind und dort zu Wohlstand kamen, erforschte in den 1960er Jahren der Marktoberdorfer Chronist Martin Dömling. Sein Beitrag erschien vor 42 Jahren in 'Das schöne Allgäu' und wurde heuer unter dem Titel 'Schwäbische Gastarbeiter in Rom' als Beitrag in der Reihe 'Marktoberdorfer Heimatblätter' aufgenommen.

Eine gutgehende Bäckerei betrieben die Brüder Martin, Johann und Michael Guggemos aus Hollen bei Rückholz. In der Kirche ist dort eine Gedenktafel für sie angebracht. Ebenfalls im 16. Jahrhundert betrieb der aus Bidingen stammene Konrad Lob eine Backstube an der Fontana Trevi. Wie der Chronist weiter schreibt, brachten es die deutschen Bäcker in Rom zu stattlichen Vermögen und zu Ansehen. Die erste römische Porzellanmanufaktur, so Dömling, sei durch den Allgäuer Philipp Guggemos begründet worden.

Die Leuterschacher Bäcker Georg Ziegerer und Thomas Böck haben aus Rom im Jahr 1728 und 1751 Reliquien mitgebracht, die von der Kirche angenommen wurden. Der Bäckergeselle Simon Holderiet von Reinhardsried starb in Rom im Jahr 1686 und hinterließ das stattliche Vermögen von 9000 Gulden.

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, so ist dem neuen 'Marktoberdorfer Heimatblatt' weiter zu entnehmen, ist die Zuwanderung nach Rom immer schwächer geworden. So gehörte Franz Xaver Häfele aus Burk, 1861 in Rom gestorben, zu den Letzten. Aus Lengenwang befand sich unter ihnen auch ein Thomas Stich.

Das Marktoberdorfer Heimatblatt ist erhältlich beim Heimatverein Marktoberdorf.

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