Ostallgäu setzt auf erneuerbare Energie

Marktoberdorf/Ostallgäu | vit | 'Dem Klimaschutz wird künftig bei allen Maßnahmen hohe Priorität eingeräumt.' Dies ist ein Kernsatz aus einer Resolution, die der Ostallgäuer Kreistag und die Bürgermeister am Montag einstimmig unterstützten. Als langfristiges Ziel soll der Landkreis zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Bis 2020 soll zumindest die Hälfte der Energie, die im Landkreis verbraucht wird, aus erneuerbaren Quellen stammen. Die Mandatsträger hatten sich beim Ostallgäuer Klimaschutztag im Landratsamt fast fünf Stunden lang über lokale Handlungsansätze informiert.

'Wir sind dringend aufgefordert, zu handeln', mahnte Landrat Johann Fleschhut angesichts des Klimawandels. Das Ostallgäu sei durch seine hochwertige Naturausstattung privilegiert. Dies verpflichte die Menschen in der Region ganz besonders, dieses Ökosystem zu erhalten. Wichtig sei ein Energiemix, der für das Ostallgäu angepasst sei. Dazu gehören Photovoltaikanlagen ebenso wie Biogasanlagen und Hackschnitzel, Wind- und Wasserkraft. Doch stets müsse man auf die Verträglichkeit achten.

'Wer auf die internationale Politik wartet, wartet zu lange', betonte Martin Sambale, Geschäftsführer des Energiezentrums Allgäu (EZA), den Handlungsauftrag an die Kommunalpolitiker. Sambale zeigte auf, welche Möglichkeiten die Kommunen beispielsweise durch die Energieberatung, aber auch durch ihr eigenes Vorbildverhalten haben.

In rund einem Dutzend Referaten stellten Experten aus der Praxis und Bürgermeister Projekte aus der Region vor. Die Bandbreite reichte von der Sanierung kreiseigener Gebäude bis hin zum Solardorf Rettenbach, von der Nahwärme bis zur Geothermie. Ausführliche Informationen zum Thema Passivhaus boten Martin Sambale und Anton Ambros als Obermeister der Zimmererinnung, der vor allem auch die Vorteile des regionalen Baustoffs Holz herausstellte. Dass Rettenbach zum Meister der deutschen Solarbundesliga wurde, erklärte Bürgermeister Willi Fischer mit der Verantwortung für künftige Generationen.

Wie Investitionen in eine riesige Photovoltaikanlage helfen, den Schuldenberg einer Gemeinde zu reduzieren, stellte Manfred Kunisch vom Kommunalunternehmen der Gemeinde Görisried dar. Bürgermeister Alex Müller (Mauerstetten) zeigte auf, welche Chancen in der Geothermie stecken. Dass Naturschutz für eine bessere CO2-Bilanz sorgt, verdeutlichte Dieter Frisch von der Naturschutzbehörde: Das Bewässern trocken gelegter Mooren gilt so als Beitrag zum Klimaschutz.

Dass ein kommunales Energiemanagement letztlich Kosten spart, rechnete Bürgermeister Beppo Zeislmeier aus Pfronten vor. Mit Hackschnitzeln aus regionalen Wäldern will die Futtertrocknungsgenossenschaft Ruderatshofen künftig ihre neue Anlage neben der B12 betreiben. Nebeneffekt: Die Anlage liefert dann unter anderem Nahwärme für die Traktorenfabrik Fendt in Marktoberdorf. Dass auf diese Weise Geld in der Region bleibt, berichtete Genossenschaftsvorsitzender Franz-Otto Eberle.

Wie Marktoberdorf durch eine Rückerstattung eines Aufschlags beim Bauplatzpreis Anreize für den Klimaschutz bei Neubauten schaffen will, zeigte Bürgermeister Werner Himmer auf. Landrat Johann Fleschhut stellte zwei Sanierungsprojekte im Landkreis dar: In den nächsten Jahren werden das Landratsamt und die Realschule in Buchloe möglichst nahe an den Standard eines Passivhauses herangeführt.

Bei der kurzen Debatte über die Resolution zum Klimaschutz gab es allerdings eine Verstimmung, weil Landrat Fleschhut die Diskussion aus Sicht der Grünen zu früh beendete. (Weiterer Bericht folgt)

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