Obdachlosigkeit immer häufiger

Von Manfred Jörg, Memmingen/Unterallgäu - 'Unsere Befürchtung ist, dass sich die Situation noch verschärft.' Diese klaren Worte benutzt Alexander Zoller, Geschäftsführer des 'Katholischen Vereins für soziale Dienste', besser bekannt unter dem Kürzel SKM. Die Befürchtung Zollers bezieht sich auf das Thema 'Wohnungslosigkeit'. Seiner Ansicht nach können die aktuellen Sozialreformen der Bundesregierung 'verheerende Folgen' haben - und auch in Memmingen und im Unterallgäu immer mehr Menschen in die Obdachlosigkeit führen. 'Wegen den neuen gesetzlichen Regelungen, die unter dem Stichwort ,Hartz IV' laufen, können Menschen nun wesentlich schneller Probleme bekommen', sagt der Geschäftsführer der Wohnungslosen-Hilfe. Und das gelte nicht nur für soziale Randgruppen. Jeder, der heute arbeitslos werde, erhalte ab dem 13. Monat der Arbeitslosigkeit nur noch das Arbeitslosengeld II, das auch 'modifizierte Sozialhilfe' genannt wird. Die Konsequenz könne sein, so Zoller, dass die Betroffenen jetzt viel früher den Zwang verspürten, aus ihren bisherigen Wohnungen oder Häusern ausziehen zu müssen, da sie sich diese schlichtweg nicht mehr leisten könnten. 179 Menschen haben sich im Jahr 2002 beim SKM in Memmingen gemeldet, die aus unterschiedlichen Gründen kein Dach mehr über dem Kopf hatten. 146 davon waren Männer, 33 Frauen.

Für das Jahr 2003 hat der SKM noch keine Zahlen vorliegen. 'Sie bewegen sich aber auf jeden Fall im Bereich des Vorjahres', erläutert Alexander Zoller. Zitat Es stecken immer konkrete Menschen dahinter, die in Nöten sind und dringend Hilfe brauchen.} Alexander Zoller, Geschäftsführer des 'Katholischen Vereins für soziale Dienste' Dass das Thema 'Obdachlosigkeit' in Memmingen nicht bloß ein theoretisches ist, verdeutlicht der SKM-Geschäftsführer mit weiteren Zahlen: So gab es im Jahr 2002 in unserer Stadt 26 gerichtlich angeordnete Zwangsräumungen in Ein-Personen-Haushalten. Im Jahr 2003 gab es in der Maustadt 20 Zwangsräumungen in Haushalten, in denen nur ein Mensch lebte. Bei Mehr-Personen-Haushalten sieht es wie folgt aus: Im Jahr 2002 kam es zu acht Zwangsräumungen; ein Jahr später waren es bereits 15. Die Ursachen für Obdachlosigkeit seien vielfältiger Natur, erklärt Alexander Zoller. Er nennt hierbei als Beispiele: hohe Mietschulden Familienstreitigkeiten, wie zum Beispiel Scheidungen Alkoholismus und andere Sucht-Erkrankungen Verlust des Arbeitsplatzes 'Man muss dabei ganz deutlich sagen: Unsere Klientel, und das sind vor allem alleinstehende Männer, hat zunehmend größere Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden', betont der SKM-Geschäftsführer. Die jüngsten sozialpolitischen Reformen der Bundesregierung zeigten hier ganz konkrete, negative Konsequenzen - auch vor Ort in Memmingen und im Unterallgäu. 'Insgesamt stellen wir bei unserer alltäglichen Arbeit fest, dass sich das Soziale in der Marktwirtschaft immer mehr auf dem Rückzug befindet', äußert sich Alexander Zoller kritisch. i Der Katholische Verein für soziale Dienste (SKM) in der Hinteren Gerbergasse 8 in Memmingen ist unter der Telefonnummer (08331) 961360 zu erreichen. Die E-Mail-Adresse lautet skm-memmingen@t-online. de

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