Memmingen
Nur mittelmäßig

Es war keine «Galanacht der Operette», die das Publikum in der - etwa zur Hälfte gefüllten - Stadthalle von den Sitzen riss. Denn der Funke wollte vor allem im ersten Teil des Melodienreigens von der Bühne nicht recht in die Zuhörerreihen überspringen. Das lag sicherlich auch daran, dass das begleitende Golden-Star Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Michael Kriegel personell nicht gerade voluminös bestückt war: Ihm gelang es nicht, das von einem Operettenabend erwartete Temperament zu versprühen. Und auch die Ballettformation, ausgestattet mit vier Tänzerinnen und zwei Tänzern, kam während der gesamten Gala selten über ein mittelmäßiges Niveau hinaus.

Michael Seeboth, routinierter Schauspieler, Sänger und Moderator, führte recht witzig und fundiert, aber mit wenig Charisma durch das Programm mit den unvergessenen Melodien der großen Meister Johann Strauß, Franz Lehar, Eduard Künneke, Emerich Kalman und Paul Linke.

Sehen und hören lassen konnten sich aber durchaus die vier renommierten Solisten Dominique Sertel (Tenor), die ausgezeichnete Sopranistin Martina Haeger sowie Marta Hanfova (Sopran) und der durch seine aussagekräftige und klare Stimme ins Rampenlicht rückende Tenor Milan Vlcek. Anklang fand im ersten Teil vor allem das Melodien-Medley aus Berlin (Paul Linke) mit Ohrwürmern wie «Schlösser, die im Monde liegen», «Schenk mir noch ein kleines bisschen Liebe» oder «Das ist die Berliner Luft».

Zweiter Teil beginnt verheißungsvoll

Mit mehr Temperament und der Ouvertüre «Leichte Kavallerie» von Franz von Suppè wurde der zweite Teil verheißungsvoll eröffnet. Jetzt «öffnete» sich auch das vorwiegend nicht mehr ganz jugendliche Publikum etwas, klatschte und summte leise mit, etwa bei den Rhythmen von Emmerich Kalman «Ganz ohne Weiber geht die Schoße nicht», «Tanzen möchte ich» oder «Machen wir s den Schwalben nach». Sehr ausdrucksstark und stimmig kamen die Duette von Marta Hanfova und Milan Vlcek zu Gehör und bereicherten den etwas «angestaubten» Operettenzauber um einige Nuancen. Aufhorchen ließen auch die im Duett gesungenen Passagen von Martina Haeger und Dominique Sertel. Stimmig und angemessen bereicherten das Bühnenbild, die operettenhaften Kostüme und blitzende Lichteffekte die Aufführung.

Eine Atmosphäre, die sich mancher wohl während der gesamten Vorstellung von nur knapp zwei Stunden gewünscht hätte, erreichte das Ensemble schließlich erst gegen Ende mit Ohrwürmern aus der «Lustigen Witwe» und kurzen Kostproben aus der «Berliner Luft».

Kurze Zugabe nach spärlichem Finale

Entsprechend kräftig fiel der Schlussbeifall aus, der das Tournee-Ensemble nach einem spärlichen Finale immerhin zu einer kurzen Zugabe - einem fetzig gespielten «Radetzkymarsch» - animierte.

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