Nur löffelrein muss der leere Yoghurtbecher sein

Kempten (pa). - Am Anfang war der Yoghurtbecher. Als sich vor bald 15 Jahren im Gebiet des Abfallzweckverbandes (ZAK) die Bürger mühsam ans Mülltrennen gewöhnten, gab es die heißesten Debatten ausgerechnet um diese fe-derleichten Behältnisse, obwohl deren Anteil an den Gesamtwertstoffen verschwindend gering ist. Jetzt sorgen die Yoghurtbecher erneut für Aufregung, auch wenn's eher ein Sturm im Wasserglas ist. Auslöser war ein Interview mit einem Innsbrucker Professor über das (regional sehr unterschiedliche) Sammeln von Kunststoffabfällen in Österreich. Wobei der Yoghurtbecher wieder eine zentrale Rolle spielte. Wenn man den oder ähnliche Behältnisse mit Warmwasser ausspüle, sagte der Professor, schade das der Umwelt mehr, als ihr das Recycling bringe. Als das Interview auch in der AZ (auf der Seite 'Rund ums Allgäu' ) zitiert wurde, rief das den Kemptener ZAK-Verbandsrat Thomas Hartmann (Grüne) auf den Plan. Wobei er sich vor allem an der Aussage 'Aufwand beim Mülltrennen oft vergebens' stieß. Das könne, monierte Hartmann, vor allem jenen, die dem Gedanken der Mülltrennung skeptisch gegenüber stünden, Bestätigung verschaffen. Deshalb solle der ZAK klarstellen, dass Kunststoffsammeln auch im Sinne der Ökologie durchaus Sinn macht. Dem kommt ZAK-Geschäftsführer Karl-Heinz Lumer gern nach. Und stimmt doch gleichzeitig dem Innsbrucker Professor zu, dass es 'ökologisch keinen Sinn macht', zum Ausspülen eines Yoghurt- oder Buttermilchbechers extra den Warmwasserhahn aufzudrehen. Es reicht, so Lumer, wenn die Becher 'löffelrein' sind. Um in der warmen Jahreszeit Schimmel- oder Geruchsbildung zu vermeiden, könne man die Becher ja in gebrauchtem Spülwasser schwenken. Auch Shampoo-, Spülmittel- und ähnliche Kunststoffflaschen müssen nicht ausgespült werden: Es genügt, wenn sie 'restentleert' sind. Diese Richtlinien, nach denen die 600 Mitarbeiter auf den Wertstoffhöfen des ZAK bei der Annahme verfahren sollen, haben laut Lumer bislang noch immer funktioniert: 'Von den Verwerter-Firmen des Kunststoffs hat es noch nie Beanstandungen gegeben.'

Der ZAK will keinen gelben Sack Weil es nämlich, so Lumer, entscheidend auf das sortenreine Sammeln der Kunststoffe ankommt, um daraus wieder hochwertige neue Produkte herstellen zu können. Allgäu-Urlauber wunderten sich oft über das Sammelsystem des ZAK und stellten fest: 'Bei uns geht das einfacher, wie stecken alles in den gelben Sack.' Wo dann freilich auch, so Lumer, 41 Prozent 'Fehlwürfe' landen, die man hinterher wieder mühsam aussortieren muss. Genau das wolle der ZAK durch sein Sammelsystem vermeiden: 'Wir wollen nicht unbedingt ein Maximum erfassen, sondern das Beste.' Trotzdem kommen pro Jahr und Einwohner rund acht Kilo Kunststoffe und Kartonverbunde zusammen, die allesamt wiederverwertet werden. Und der Trenn- und Sammeleifer der Bürger habe keineswegs nachgelassen, sondern steige sogar wieder leicht an.

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