Nur große Chirurgie sichert Überleben

Kaufbeuren(oll). - Breit diskutiert wurde das Thema Klinikumsverkauf bei einer öffentlichen Diskussionsrunde in Kaufbeuren, zu der die Patienteninitiative Kaufbeuren eingeladen hatte. Diese lehnt zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Privatisierung des Klinikums Kaufbeuren-Ostallgäu nicht kategorisch ab. Aber auf einer öffentliche Versammlung sollen Fachleute die wirtschaftliche Situation des Klinikums erläutern. Professor Heinrich Stiegler, chirurgischer Chefarzt am Klinikum, betonte, es fehle ein Gesamtkonzept für die Region. Im Übrigen seien viele Chefärzte am Klinikum für eine Privatisierung. Stiegler erklärte, der Grund für den 'klaren Beschluss zur Privatisierung' liege in den vergangenen zehn Jahren beziehungsweise der ausweglosen politischen Patt-Situation zwischen Kreis und Land. 'Patienten werden am Klinikum vorbeigefahren, obwohl die Leistung in Kaufbeuren erbracht werden könnte.' Es fehle ein Gesamtkonzept der Versorgung in der Region. Dazu sei die Politik jedoch nicht imstande. Die bundesweite Deckelung Anfang der 90-er Jahre sei für Kaufbeuren gekommen, 'als das Krankenhaus bereits kaputt gespart war'. Durch Fehler des örtlichen Managements sei die Deckelung auf extrem niedrigem Level eingefahren worden. Jetzt falle die Privatisierung mitten in die Bauphase. Der Mediziner beklagte: 'Das Haus hat hauseigene Probleme, gar keine Frage.' Versorgungsstufe III bedeute, das Haus müsse auch schwere Eingriffe anbieten, was mit 'Zupacken und Überstunden' verbunden sei. 'Es ist nicht begriffen worden, dass nur die große Chirurgie langfristig das Überleben und Arbeitsplätze sichert.' Kleine Eingriffe sicherten es langfristig nicht. Im Prinzip sei er für die Privatisierung. Es müsse aber ein Umdenken im Klinikum statt finden.

Die Frage sei zudem, mit welchem Preis sie erkauft werden müsse. 'Der Trend unter den Chefärzten oben im Klinikum ist klar Richtung Privatisierung', erklärte Stiegler. In weiteren Schritten sollen die Chefärzte aller Kliniken von Landkreis und Stadt an einen Tisch gebracht (Motto: 'Wenn wir nicht kooperieren, gehen wir alle den Bach runter') und die Öffentlichkeit über die Vor- und Nachteile einer Privatisierung aufgeklärt werden, so Stiegler. In der zweieinhalbstündigen Diskussion ging es des Weiteren hauptsächlich um die Fragen, wie es zu den Problemen wirtschaftlicher und allgemeiner Art kommen konnte, mit denen das Klinikum zu kämpfen hat und wie eine Privatisierung vermieden werden könne. Peter Brosche von der Patienteninitiative sagte, dem Gespräch mit Landrat Josef Fleschhut habe er entnommen, die Entscheidung sei keineswegs gefallen. Man habe sich lediglich 'auf die Richtung' festgelegt. Sein (Brosches) Eindruck sei, für den Landkreis liege das Klinikum 'im feindlichen Kaufbeuren' (Zitat Brosche). Beim Landratsamt sei man der Meinung, 'die defizitäre Klitsche muss weg' (ebenfalls Zitat Brosche). Es müsse ein Bürgerbegehren her, zu dessen Initiierung er gerne bereit sei. Ein Angestellter des Klinikums bestätigte, in dem gegenwärtigen Prozess liege 'viel Emotionales' verborgen, bedingt durch eine 'ständige Rivalität zwischen Landkreis und Stadt Kaufbeuren'. Ihn treibe die Angst um, der Landkreis nutze die Gelegenheit zum Ausstieg. i Die nächste öffentliche Infoveranstaltung findet am 20. Juli um 19.30 Uhr im 'Schwabenhof' statt. Fachleute sollen dabei zum Beispiel darüber aufklären, warum Memmingen beispielsweise schwarze, Kaufbeuren hingegen rote Zahlen schreibt. Krankenhausverband dementiert Aussage Kaufbeuren(az). Falsch zitiert sieht sich Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, von der Kaufbeurer Patienteninitiative. Er habe niemals einen unabhängigen Gutachter anlässlich des Verkaufsprozesses gefordert. Überhaupt habe er gegenüber Ruth Weismann von der Initiative betont, dass er sich überhaupt nicht öffentlich zu der Sache äußere. In einer Pressemitteilung hatte die Initiative erklärt, die Krankenhausgesellschaft sei dafür, dass ein unabhängiger Gutachter die Klinikdaten prüfe (wir berichteten).

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