Nur das Stück zeigt Schwächen

von peter steinbach | Marktoberdorf Die lange Tradition der Theatergruppe der Kolpingsfamilie Marktoberdorf gebietet es seinem treuen Publikum, das Ende des Kalenderjahres mit einer Silvesterpremiere zu beschließen. Meist sind es Lustspiele oder Schwänke, die im alten Jahr nochmals für heitere Stimmung sorgen sollen. Diesmal ein Stück mit dem Titel 'Die wilde Auguste' und der Musik von Walter Kollo. Das vollbesetzte Modeon geizte für die Leistungen des Ensembles nicht mit Applaus.

Allen Laienschauspielgruppen gemeinsam ist die Freude am Theaterspielen, verbunden mit dem Wunsch, dem Publikum ein paar frohe Stunden zu bereiten. Dafür opfern sie ihre Freizeit, müssen Beruf, Familie und sonstige Hobbys koordinieren, sie müssen teils lange Texte auswendig lernen und das alles für den Lohn des Applauses. 'Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken', wie Schiller sagt, und so wie die Theaterroutine zunimmt, sollte auch das Bedürfnis nach etwas niveauvolleren Stücken steigen. Kurzum, warum verlässt das Kolpingtheater nicht einmal die Schwänke und begibt sich ins Reich anspruchsvollerer Lustspiele oder gar einer gut inszenierten Komödie? Die Palette ist reichhaltig. Und warum müssen es immer diese norddeutschen Fließbandautoren sein, deren gestelzte Sprache so gar nicht in unseren ländlichen Raum passt? Das Textbuch der 'Wilden Auguste' war nur sehr begrenzt angetan, Humor zu verbreiten, wie es das Begleitheft weismachen wollte und die Plattitüden und hohlen Wortklaubereien haben auch wenig mit Humor zu tun. Das ist schade für das Ensemble, welches wesentlich mehr zu geben in der Lage ist.

Pfiffig und temperamentvoll

Das Theaterstück ist auf eine Person zugeschnitten, eben diese Haushälterin Auguste, die, pfiffig wie sie zu denken vermag, in sich selbst die nicht anwesende Tante aus Mexico erfindet, um in den Besitz der dringend benötigten Erbschaft zu kommen. Dazu bedarf es der Hinzuziehung dreier Freier, die zwar die große Liebe zu ihr suggerieren, aber im Grunde nur an die 'Kohle' wollen. Dass sie den armen Geldbriefträger Engel liebt und zum Schluss auch bekommt, zeichnet sich wie bei allen Lustspielen früh ab. Für Bärbl Weiß als Auguste eine Paraderolle, versehen mit immensem Text, den es zu erlernen gab. Sie wirbelte temperamentvoll über die Bühne, gleich komisch als Haushälterin wie als reiche Tante.

Helmut Knestel war in seinem Debüt der honorige Autofabrikant Lüders, Stefan Bartl, die Nummer zwei der Verehrer, der routiniert aufspielende Baumschulenbesitzer, dessen sinnige Inschriften seiner angepriesenen Holztafeln für Amüsement im Publikum sorgten. Schließlich Dr. Wolfgang Redka-Swoboda als 'grüner' Ernährungswissenschaftler, mit großer Geste und fein herausgespielter Situationskomik ein echtes Vergnügen. Seine Werbung an Auguste gehörte zu den Highlights.

Nicht zu vergessen natürlich Erich Weiß als stotternder Geldbriefträger, dem die Liebe zu Auguste wohl zu seinen Sprachschwierigkeiten verhalf. Ein alter Routinier des Theaterlebens eben. Im Interieur eines gutbürgerlichen Zimmers tummelten sich noch frisch-fröhlich zwei Liebespaare. Daniela Stark als Fabrikantentochter und Annika Heide, zunächst als 'selbstgestricktes' Mauerblümchen mit erstaunlicher Verwandlung zur Dame. Und deren Verehrer Eric Stark als Ingenieur und Michael Zotz als Grafiker. Der Mann am Klavier, der Kollos Melodien begleitete, ein Anonymus, aber wenn man dahinter Rupert Filser annimmt, liegt man sicher nicht verkehrt.

Herzlicher Applaus für eine tüchtige schauspielerische Leistung.

Eine weitere Aufführung ist am 5. Januar um 20 Uhr im Modeon. Kartenvorverkauf ist bei der Buchhandlung Glas, Telefon 08342/2551.

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