Marktoberdorf
Noch keine Klärlösung in Sicht

Wenn der Sitzungssaal im Marktoberdorfer Rathaus auf der Besucherempore gut gefüllt ist, liegt das meistens am Thema Geld. Geld, das die Bürger zahlen sollen. So stieß auch die Sitzung des Bauausschuss auf großes Interesse. Es ging darum, wohin die Hattenhofener künftig ihr Abwasser leiten wollen und sollen.

Nach einem Informationsabend in Hattenhofen bekam nun der Ausschuss von Gerhard Herfert vom Ingenieurbüro Schindlbeck Zahlen und Fakten vorgelegt. Dieser hatte den Auftrag erhalten, nicht nur eine Abwasserleitung über den Hörtnagel mit Anschluss ans Klärwerk zu konzipieren, sondern alternativ auch die Kosten für eine Pflanzenkläranlage zu berechnen.

«Grenzwerte nicht eingehalten»

Es sei eine Trasse gefunden worden, über die ein sogenannter Freispiegelabfluss möglich ist, sagte Herfert. Nur: «Wer jetzt schon pumpt, wird auch künftig pumpen müssen.» Auf jeden Fall müsse innerhalb der Ortschaft ein neuer Kanal gebaut werden. Die alten, zudem maroden Betonröhren bremsten das Abwasser mehr als ein Kunststoffrohr. Das Regenwasser soll auf den jeweiligen Grundstücken versickern.

Die Kosten für den Schmutzwasserkanal liegen laut Herfert bei «grob geschätzt» 800000 Euro. Darin eingerechnet seien 180000 Euro für einen Verbindungssammler. Der Experte empfahl im Zuge des Baus gleich die Erneuerung der Wasserleitung. Wenn die Stadt dann gleich den Neubau der Straße vollziehe, lägen diese Kosten bei 776000 Euro einschließlich Sickerrigole und Regenwasserkanal.

Alternativ sei der Bau einer Pflanzenkläranlage möglich. Für Hattenhofen sei dafür eine Fläche von 784 Quadratmetern nötig. Die reinen Baukosten beliefen sich auf 320000 Euro. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten von 7000 Euro. Die Haltbarkeit liege bei zehn bis 15 Jahren, danach müsse das Filtermaterial ersetzt werden. Außerdem seien zum Teil wöchentliche Kontrollen unausweichlich.

Als weiteren Nachteil zeigte Herfert auf, dass Anlagen in dieser Größenordnung nicht hundertprozentig arbeiten: «Die Grenzwerte werden nicht eingehalten.»

Clara Knestel (Grüne) machte sich wie schon bei der Diskussion vor knapp zwei Jahren für eine Pflanzenkläranlage stark: «Man muss sie nur wollen und sich dafür engagieren.» Sie sei viel preiswerter und für Hattenhofen ausreichend.

Ihr hielt Peter Grotz (Freie Wähler) entgegen, dass die Differenz zwischen beiden Systemen geringer sei. Denn der Schmutzwasserkanal müsse in jedem Fall gebaut werden. Knestel sprach von «Schönrednerei». Bei einer Einzellösung, wie derzeit von den Hauseigentümern betrieben, fielen die Kosten für Kanal und Ableitung weg.

Straßenausbau kommt sowieso

Stadtbaumeister Peter Münsch erklärte, dass wegen der Erneuerung der Wasserleitung in den nächsten fünf bis sieben Jahren ein Straßenvollausbau anstehe. Ausbaubeiträge in Höhe von 50 bis 80 Prozent fielen für die Anlieger also sowieso an.

In Sachen Abwasser habe das Landratsamt signalisiert, einem möglichen Neubaugebiet ohne zentralen Anschluss an Marktoberdorf nicht zuzustimmen. Die Beibehaltung der Einzelkläranlagen sei möglich, so Münsch. Doch müssten diese um eine biologische Reinigungsstufe erweitert werden. Eine gemeinsame Pflanzenkläranlage könne die Stadt nicht betreiben, weil ihr für den Unterhalt Personal fehle.

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