Westallgäu
«Niemand muss Dicksein einfach hinnehmen»

«Kinder im Gleichgewicht» ist ein Projekt der Euregio Bodensee zur Weiterentwicklung der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche. Die Partner der länderübergreifenden Kooperation rund um den Bodensee, haben aktuell die zweite Phase des Projektes gestartet. Susi Donner sprach mit Petra Laux-Schumpp und Anne Möhrle, die das Gesundheitsprojekt begleiten.

Um was geht es in Phase 2 von «Kinder im Gleichgewicht»?

Petra Laux-Schumpp: Die erste Phase konzentrierte sich auf die Therapie von Übergewicht und Adipositas. Aber: Therapie ist mühsam. Deshalb geht es in der zweiten Phase um Prävention. Ziel ist es, Übergewicht und krankhafte Fettsucht erst gar nicht entstehen zu lassen. Denn: Vorbeugen ist besser als Heilen.

Welche Aktionen beinhaltet das Projekt?

Laux-Schumpp: Jedes regionale Programm hat eine andere Ausrichtung. Die Aktivitäten reichen von Kindergarten- und Schulverpflegung über Spielraumplanung bis hin zu Elterntraining und Fortbildungen für Lehrer und Erzieher.

Für die Entstehung von Übergewicht sind sechs verschiedene sensible Phasen in der kindlichen Entwicklung festgestellt worden, von der Schwangerschaft bis hin zum jungen Erwachsenen.

Das bedeutet?

Laux-Schumpp: Die Menschen, die in dieser Zeit mit den Zielgruppen arbeiten, wie Hebammen, Elternberater, Ärzte, Kindergärtnerinnen, Lehrer, Sozial- und Jugendamt, Gesundheitsamt und so weiter, müssen lernen, die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht rechtzeitig zu erkennen und zu handeln, Hilfestellung zu geben. Dafür ist die Weiterbildung dieser Berufsgruppen notwendig.

Warum ist denn dieser enorme Aufwand überhaupt notwendig?

Anne Möhrle: Die Zahlen der Kinder und Jugendlichen, die an Übergewicht und Adipositas erkranken, nimmt drastisch zu. Die Weltgesundheitsorganisation spricht bereits von der Epidemie des 21. Jahrhunderts. Viele körperliche Schäden wie geschädigte Gelenke und Wirbelsäule, Diabetes mellitus Typ 2 oder Schlaganfall und Herzinfarkt stellen sich erst nach Jahren ein. Die psychosozialen Folgen ihres Übergewichtes erfahren dicke Kinder sofort. Sie werden oft ausgegrenzt, ausgelacht, ziehen sich zurück. Sie lernen schlechter, haben später weniger Chancen im Berufsleben - unabhängig von ihrer Intelligenz.

Und wenn jemand genetisch zum Dicksein veranlagt ist?

Möhrle: Die Genetik spielt nur eine kleine Rolle. Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas tun. Niemand muss Dicksein einfach nur hinnehmen.

Was ist denn mit dem Werbespruch: Ich bin rund - na und?

Möhrle: Das ist trotz allem ein guter Spruch, weil er die Vorurteile gegen dicke Menschen angeht. Nicht jeder Dicke lebt zurückgezogen und ist weniger leistungsfähig. Dicke Menschen dürfen nicht stigmatisiert werden. Dennoch ist klar: Es muss so früh wie möglich und so viel wie möglich gegen Fettsucht getan werden.

Was können Eltern tun?

Möhrle: Sie müssen vor allem Vorbild sein. Selber so viel wie möglich mit dem Rad fahren oder laufen, statt mit dem Auto fahren. Selber statt Chips Apfelschnitze oder Gemüsestix essen. Statt Cola Wasser trinken Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

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