Markt Rettenbach
Niemand kann es beseelter

Das Ambiente hätten selbst die Kulissenbauer in Hollywood nicht besser kreieren können: Draußen, vor der Pfarrkirche St. Jakobus Major in Markt Rettenbach, ist alles noch in Weiß gehüllt, aus dem schneebedeckten Gotteshaus schimmert magisches Licht nach draußen, drum herum mit Tannengrün geschmückte Häuser. Wer jetzt noch letzte Zweifel hegt, weiß genau: Weihnachten steht vor der Tür.

Die vielleicht noch allerletzten Zweifel dürften in der Pfarrkirche beseitigt werden: Der Altar ist weihnachtlich geschmückt, im Gang strahlen rechts und links stimmungsvoll Kerzen. Passend dazu begrüßen die Günztaler Alphornbläser unter der Leitung von Martin Fiener die Eintretenden mit erhabenen Klängen, umschmeicheln ihre Ohren. Doch sie liefern «nur» den musikalischen Prolog zu Ludwig Thomas Weihnachtslegende «Heilige Nacht», vorgetragen von Enrico de Paruta, der dabei von Perry Schack an der Konzertgitarre, Stefanie Hampel an der Tiroler Harfe und vor allem von Tenor Benjamin Grund unterstützt wird.

Paruta, seit 1993 mit dieser Geschichte und seinem Ensemble durch die vorweihnachtlichen Landen ziehend, lädt in einer kurzen Begrüßungsrede die Besucher dazu ein, mit ihm in den kommenden anderthalb Stunden «den Weg von Nazareth nach Bethlehem gemeinsam zu begehen». Und so «in der besinnlichen Zeit Kraft zu schöpfen für die Bewältigung der Hektik, die im kommenden Jahr auf uns wartet».

Um es vorwegzunehmen: Nichts eignet sich dafür besser als Parutas Vortrag dieser Geschichte von der «Heiligen Nacht» - einer Geschichte, mit der sich Thoma «seine eigene Krippe schnitzte» und die der Schriftsteller seinem Großvater zu Ehren in jenem Dialekt verfasste, wie er etwa 1820 zwischen Lenggries und Salzburg gesprochen wurde.»

Denn es ist nicht nur das zu diesen Tagen passende Thema - nämlich, was sich in jener Heiligen Nacht zugetragen haben könnte - , das den einmaligen Reiz von Parutas Rezitationen ausmacht. Es ist die beseelte, eindringliche, ergreifende Art und Weise, mit der der Erzähler uns in jene Stunden entführt, als das Christkind geboren wurde und die jeden Zuhörer in der voll besetzten Pfarrkirche das Gefühl vermittelt, beim Geschehen selbst dabei zu sein.

Hinzu kommen die wunderschönen Harfenklänge und die von Grund gesungenen Arien und Volkslieder, die Parutas Zitate immer mal wieder abrunden, sinnvoll ergänzen und so die emotional tiefgründige Atmosphäre noch verstärken. Dadurch lässt das Ensemble eine unnachahmliche Vorfreude auf jene Nacht aufkeimen, die uns 48 Stunden später erwartet.

Passend zur nach den Schlussworten einsetzenden besinnlichen Stille dringt schließlich Glockengeläut von außen in das Innere der Pfarrkirche. Ein lebendigeres und authentischeres Finale könnte kaum jemand inszenieren. Auch die Regisseure in Hollywood nicht

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