Kempten
Nichts ist mehr sicher

«Darf denn ein Leben, ein Lebenslauf nicht Lücken aufweisen?» Diese verzweifelte Frage stellt der Schauspieler Feuerbach bei einem Vorsprechtermin im Theater. Denn sein eigenes Leben verlief nicht lückenlos. Eher holprig. Jetzt sieht er seine große Chance, wieder einzusteigen. Unter der Regie von Veit Güssow kommt die Neuinszenierung des Zweipersonenstücks «Ich, Feuerbach» von Tankred Dorst mit dem Bayerischen Staatsschauspiel nach Kempten.

Hochaktuell ist das Thema Scheitern und Unsicherheit des Arbeitsplatzes, sagt Feuerbach-Darsteller Robert Joseph Bartl angesichts der Weltwirtschaftskrise. Beängstigend das Gefühl, sich verbiegen zu müssen und schwierig vor allem für solche Menschen wie Feuerbach, deren Leben nicht geradlinig verlief. Daneben, so Bartl, ist der Text von Tankred Dorst «ein wunderbarer Text, in dem viel Kluges über unseren Beruf gesagt wird».

Für den 36-jährigen Bartl, der die Rolle schon 25 Mal in München gespielt hat, stellt diese Kemptener Premiere eine große Herausforderung dar.

Schließlich muss die Inszenierung von einem hallenartigen Werkraum wie dem Münchner Marstall für das Kemptener Theater, eine Guckkastenbühne, uminszeniert werden «Das ist ein ganz andere sinnliche Erfahrung, wenn man in dieses Theater kommt und die roten Sitze, den roten Samtvorhang und den klassizistischen Leuchter sieht», sagt Bartl. «Da hat man sofort ein anderes Gefühl. Das wird auch die Figur verändern.»

Die tragisch-komische Rolle des Feuerbach begleitet den Charakterdarsteller Bartl schon seit seiner Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, bei dem ihm ein Dozent das Büchlein mit den Worten «Irgendwann musst du den mal machen» in die Hand drückte. «Feuerbach ist einfach ein liebgewordener Freund», so der Schauspieler.

Kontrolle verlieren

Er ist fasziniert von der Figur und dem Weg, den sie nimmt. Feuerbach trifft beim Vorsprechen nicht den Regisseur, sondern nur den Regieassistenten (Shenja Lacher), für den Theater nur ein Job ist. Bartl: «Feuerbach denkt, er ist Herr der Situation, ist es aber nicht. Er ist begabt und liebt das Theater und diese Liebe lässt ihn die Kontrolle verlieren.» Feuerbach ist plötzlich ungeschützt, er hat alles preisgegeben. «Und jetzt ist es leicht, ihn zu zerstören - oder ihn aufzuheben.» Aber es wird Feuerbach niemand aufheben, denn das Stück beginnt als Komödie, endet aber als Tragödie.

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