Nicht alles ist gratis in der Natur

Kaufbeuren/Kempten(pa/mab). - Der Mai ist gekommen und der heiß ersehnte Frühling liegt bereits spürbar in der Luft. Also zieht es viele Menschen jetzt mit Macht hinaus in die Natur. Und dabei ist die Verlockung groß, sich für Regentage auch ein Stückchen Natur mit heim ins Wohnzimmer zu nehmen. Doch Vorsicht: Längst nicht alles, was draußen grünt und blüht, darf man auch pflücken oder gar fürs eigene Gärtchen ausbuddeln. Das gilt natürlich auch für städtische Anpflanzungen, so Inge Austel von der Kaufbeurer Stadtgärtnerei. Zwar steht im Freistaat allen Bürgern der ungehinderte Naturgenuss grundsätzlich frei. Doch Raubbau schiebt das bayerische Naturschutzgesetz einen Riegel vor. So ist insbesondere die 'missbräuchliche Entnahme' aller 'wildwachsenden Pflanzen' generell verboten. Was, so Roland Sauter vom Kemptener Umweltamt, bedeutet: Ausgraben oder mit der Wurzel ausreißen darf man gar nichts. Pflücken und ernten hingegen schon. Allerdings auch nur in Maßen. Wildblumen oder Zweige darf man nämlich nicht in solchen Mengen abreißen, dass man damit einen Marktstand aufmachen könnte. Sondern laut Gesetz nur jeweils einen 'Handstrauß'. Also das, was in eine Vase passt. Bei 'besonders geschützten' Wildpflanzen ist aber nicht einmal Pflücken erlaubt. Dazu gehören, so Sauter, zum Beispiel alle Akelei-, Enzian- und Orchideenarten, Seidelbast, Türkenbund, Silberdistel, Trollblume, Märzenbecher und eine Vielzahl anderer Arten. Auch das Ernten 'wildwachsender Waldfrüchte' wie Pilze, Beeren, Heilkräuter ist gesetzlich exakt geregelt: Grundsätzlich gilt das Prinzip Selbstbedienung, aber nur im 'ortsüblichen Umfang'. Was bedeutet: Man darf etwa so viel heimtragen, wie man selber verzehren kann. Wer körbeweise Naturschätze sammelt, um sie beispielsweise an Gaststätten zu verhökern, braucht dafür eine amtliche Erlaubnis.

Zum Verwechseln ähnlich Aktuell ist in der Hinsicht so früh im Jahr nur der Bärlauch. Weil dieses Modekraut heuer auf keiner Speisekarte fehlen darf, ziehen ganze Heerscharen durch die Wälder, durch die Auen, um auch einmal davon zu kosten. Was manchen ganz schlecht bekommt, weil der schmackhafte Bärlauch und die hochgiftige Herbstzeitlose nicht nur sehr ähnlich aussehen, sondern gern auch am gleichen Standort wachsen. Aktueller Stand in einem Münchner Klinikum: Kaum ist der Frühling da, schon mussten dort vier Patienten mit schweren Vergiftungen behandelt werden. Das Thema Blumenklau spielt übrigens nicht nur in freier Wildbahn eine Rolle, sondern auch mitten in der Stadt. Dabei handelt es sich unter anderem um Forsythien, Weidenkätzchen, Flieder oder die Wiesenblumen, die in den Grünanlagen angesiedelt werden. 'Wenn auf unseren gärtnerisch gestalteten Flächen gepflückt wird, entstehen Schäden, die wir eigentlich nicht tolerieren können', so die Leiterin der Stadtgärtnerei, Inge Austel. Viele Flächen seien immer wieder betroffen. Unter anderem der Bereich Neuer Markt oder die Pflanzkübel, die an vielen Stellen in der Stadt aufgestellt sind.

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