Neue Wege der Demenzversorgung

Neugablonz | AZ | Neue Wege in der Betreuung von Menschen mit Demenzerkrankungen gehen Fachkräfte im Reinhard-Schmidt-Haus der Arbeiterwohlfahrt in Neugablonz. Dort wurde innerhalb einer bestehenden Station eine Wohngruppe für betroffene Senioren aufgebaut. Unter dem Motto 'Wenn du willst, dass ich bleibe, musst du mich nehmen, wie ich bin' hat die Altenpflegerin Ursula Schelle-Notz in dem Seniorenzentrum anlässlich ihrer dreijährigen Weiterbildung 'Gerontopsychiatrische Pflege' das Pilotprojekt initiiert und geleitet. Nach einem Jahr Projektlaufzeit kann sie nun einen vollen Erfolg verbuchen: Sieben bis acht Senioren mit fortgeschrittener Demenz haben sich in der ersten Wohngruppe schon gut eingelebt.

Kernstück der umgestalteten Bereiche ist die 'Wohnstube': Diese ist gemütlich eingerichtet, mit einem alten Küchenbuffet, einem Sofa, mit stilvoll gerahmten Bildern aus der Vergangenheit, mit nostalgischen Stoffen und Lampen. Die an Demenz Erkrankten können sich in diesem Bereich recht frei bewegen, auch mit dem Rollstuhl. Bei dem Projekt geht das AWO-Heim auf den für die Demenz typischen Bewegungsdrang ein. Der Drang, 'weg zu laufen', wird der ersten Erfahrung nach deutlich reduziert.

Seit Juni 2007 dabei

So lebt seit Juni 2007 die Mutter einer 72-jährigen Kaufbeurerin in der neuen Wohngruppe. 'Meine Mutter ist viel ruhiger und auch wieder aufgeschlossener geworden, seit sie dort lebt', freut sich die Frau. Der normale Ablauf auf der Station im Pflegeheim, habe die Mutter überfordert, manchmal sogar aggressiv gemacht. Oft wollte sie nach Hause. 'Wenn meine 97-jährige Mutter heute von zuhause spricht, habe ich den Eindruck, sie spricht von ihrer Wohngruppe.'

Es ist schwer, sich in Menschen mit dem Krankheitsbild 'Demenz' hineinzudenken, sagt Altenpflegerin Hildegard Unglert. Um eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen zu können, müssen 'wir mit den Augen der Bewohner sehen und sozusagen in ihren Schuhen gehen', beschreibt die Co-Projektleiterin.

'Mit diesem Projekt haben wir die Weichen für unsere Zukunft gestellt', so Heimleiter Karl-Heinz Wenzel über das Pilotprojekt. Zwischen 60 und 70 Prozent der Heimbewohner leiden heute schon an Demenz, Tendenz steigend. Dieser Entwicklung müsse man sich anpassen. Profitieren würden dabei auch die Mitarbeiter: Die neuen Rückzugsmöglichkeiten für Bewohner mit fortgeschrittener Demenz schaffen mehr Freiraum für eine individuelle Betreuung und Zuwendung.

Fehlende Gegenfinanzierung

Für Eberhard Gulde, Vorstand des AWO-Bezirksverbandes, ist das Modell in Neugablonz beispielhaft. 'Leider müssen wir die Finanzierung bisher aus Eigenmitteln stemmen' bemängelt Gulde die fehlende Gegenfinanzierung. 'Wenn die Menschenwürde nicht auf der Strecke bleiben soll', fordert er, 'muss dringend eine entsprechende Anpassung der Pflegesätze erfolgen'.

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