Neue Strukturen sind nötig

Marktoberdorf/Ostallgäu (pas). - Ist es denn wirklich notwendig, dass so viele private Organisationen wie gerade im Allgäu nebeneinander her und manchmal sogar konkurrierend auf das gleiche Ziel zusteuern: Das Allgäu und damit auch den Landkreis Ostallgäu in Sachen Tourismus attraktiver anzubieten? Mit dieser Frage beschrieb Landrat Johann Fleschhut, Vorsitzender des Tourismusverbandes Ostallgäu, die derzeitige Situation. Wichtigste Aufgabe ist deshalb eine Selbsterneuerung, um dem allgemeinen Abwärtstrend des Tourismus entgegenwirken zu können Für diese Selbsterneuerung soll noch die große Erfahrung des bisherigen Geschäftsführers Rudi Thanner genutzt werden, bevor dieser in gut einem Jahr in Pension geht. Bei der Jahreshauptversammlung des Tourismusverbandes in Schwangau wurden diese Probleme sehr deutlich. Bernhard Joachim der Geschäftsführer der erst vor kurzem gegründeten Allgäu Marketing Gmb H, begründete, warum sich seine Vereinigung bisher gegen die Aufnahme von Tourismusorganisationen wehrte. Private Unternehmer und Vermieter im Allgäu fühlen sich von den staatlichen Organisationen nur ungenügend repräsentiert. Sie wollen ihre hohen Investitionen sachbezogen, besser und nur in den Tourismusregionen verwendet wissen. Die Tourismusverbände dagegen müssen mit ihrem Geld auch die Regionen unterstützen, in denen der Tourismus eher Nebeneffekt ist. Hier stellte Fleschhut in Frage, ob dieses Gießkannenprinzip auf die Dauer sinnvoll ist. Denn die Mittel des Tourismusverbandes Ostallgäu - laut Geschäftsbericht im Jahr 2003 nur 124000 Euro - müssen großräumiger verteilt werden als die immerhin 1,35 Millionen Euro, mit denen Allgäu Marketing gestartet ist. Deshalb drängt der Landrat auch sehr darauf, dass auch die organisierten Allgäuer Tourismusverbände Mitglieder bei Allgäu Marketing werden können. Die Beitrittskosten dafür liegen jedenfalls im Haushalt 2004 bereits 'auf der hohen Kante'.

Sich nach außen besser verkaufen Joachim zeigte seine Erfolge in der Werbung auf. Oberstdorf mit seinen sportlichen Groß-Ereignissen war dabei Schwerpunkt. Man verstehe es dort, Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Auf die Frage, warum keine Großwerbung in Füssen für '30 Jahre Bundesleistungszentrum Eishockey' vorgesehen ist, musste der Allgäu Marketing-Geschäftsführer passen. Er hatte davon noch nie gehört. Auch in der besseren gegenseitigen Information sieht Fleschhut Handlungsbedarf. Als Vorsitzender eines organisierten Tourismusverbandes stellte der Landrat in Frage, ob die vielen zusätzlichen Verbünde weiter notwendig seien. Denn die jetzt breit verteilten Förderungen sollten besser gebündelt und gezielt verwendet werden. Beispiele dafür: Die neuen Konzepte für Rad- und Wanderwege im Allgäu, deren Erstellung sich das Ost- und das Unterallgäu teilen. Ein Kulturbüro soll ab Mai 2004 die vielen herausragenden kulturellen Glanzlichter im Ostallgäu bündeln und besser nach außen bringen. Oder auch die Abgabe der Entwicklung eines überregional einheitlichen Internet-Buchungssystems an den Verbund 'Vitales Land'. Über dessen Sachstand referierte der Geschäftsführer Vitales Land, Roger Merk. Im April 2004 beginnt die heiße Phase, ab Sommer kann das System getestet werden. In einem Überblick zeigt Fleschhut einige Projekte auf, die zur Förderung im Tourismus beitragen. Dabei betonte er, dass diese im gleichen Maße auch den Einheimischen nutzen. Er begrüßte, dass in der Region der Wintersport besser belebt werden soll. Die Wintersport-Arena am Tegelberg in Schwangau, das Biathlonzentrum in Nesselwang und den Schanzenumbau in Füssen nannte er als besonders wichtige Vorhaben. Denn diese werden vor allem auch den einheimischen Jugendlichen mehr sportliche Möglichkeiten bieten. Für den Auf-/Abstau des Forggensees stellte der Landrat neue Perspektiven in Aussicht. Die Weltsensation Neuschwanstein wird durch eine Aufstiegshilfe für die Besucher aus aller Welt leichter erreichbar. Das sei ein selbstverständlicher und ein touristisch notwendiger Service, betonte der Landrat Fleschhut.

Musicalkäufer 'wahre Investoren' Ausdrücklich und besonders dankte Fleschhut den Investoren, die das Musical weiterführen. Viele hätten erst nach dessen Einstellung gemerkt, wie wichtig es ist, tadelte er. 'Die wahren Investoren für unseren Tourismus sind die Leute, die das Musical gekauft haben', hob er hervor. Nachdrücklich forderte der Landrat alle anwesenden Touristiker auf, diese Investoren 'voll und ganz in Zukunft zu unterstützen'.

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