Neue Leidenschaft im Alter

Von Kolja Thurner Thalhofen - 'Man lernt nie aus', besagt eine alte Redensart, die auch in folgendem Fall zutrifft: Der Thalhofener Franz Müller (75) entdeckte erst im Alter die Freude an der Bildenden Kunst und beweist damit, dass es niemals zu spät ist, um neue Ideen in die Tat umzusetzen. 75 Jahre sind eine Zeit, in der viel passieren kann. Doch es scheint, als hätten insbesondere die vergangenen drei Jahre großen Eindruck auf Franz Müller gemacht. Denn hinter grauem, krausen Haar, großen Brillengläsern und einem verschmitzten Grinsen verbirgt sich still ein echter Schelm. 'Ein bisschen Kreativität steckte wohl seit jeher schon in mir', versucht er bescheiden zu erklären. Doch um diese Kreativität auch zu Tage zu fördern, brauchte es zunächst viel Mut, Willen und Experimentierfreudigkeit. Immer nur Fenster zu streichen sei ihm irgendwann zu wenig gewesen, scherzt Müller. Sehr lange habe er schon mit Gedanken an einen Karikatur-Kurs gespielt, bis 'ich es dann endlich angepackt habe'. Und bereut, so sagt der Pensionär lächelnd, habe er es sicher nicht. Müller absolvierte zwei Kunst-Fernlehrgänge über 'Freies Zeichnen und Malen', sowie 'Karikatur- und Comiczeichnen' und freut sich nicht ohne Stolz über die gemachten Erfahrungen. In einer privaten Ausstellung zeigte er jüngst die Ergebnisse: Rund 50 Werke - vom Selbstporträt bis zu lustigen Begebenheiten aus dem Alltag. Professionelle politische Karikaturen seien aber nicht sein Ziel, so Müller. Auf seine Werke erhielt er sogar Brief und Siegel. Sein Diplom für freies Zeichnen und Malen hat er bereits in der Tasche und das für Karikatur- und Comiczeichnen fest im Visier. Ein Fernlehrgang, so erzählt er, könne zwischen einem und zwei Jahren Zeit in Anspruch nehmen - je nach Schnelligkeit, Können und Zeit des Teilnehmers. Auf dem Postweg erhält man insgesamt zwölf Lehrbriefe mit jeweils vier bis sechs zu lösenden Aufgaben und die konstruktive Kritik an den eingesandten Werken wird ebenfalls brieflich geregelt. 'Man bekommt nur geringe Vorgaben und hat sehr viel Freiraum', berichtet Müller.

Tusche, Kohle, Öl Und gerade dieser wird wohl bald an seinen Wänden nicht mehr vorhanden sein: Ob mit Bleistift, Tusche, Kohle oder Öl, ob politischer Seitenhieb oder Porträt, Müller hat scheinbar eine Leidenschaft entdeckt. Neue Bekannte möglicherweise auch: Durch die 'Schreiberei' sei ein kleiner, aber netter privater Kontakt mit den Lehrern entstanden, erzählt der 75-jährige. Da man als Karikaturist nicht nur über gespitzte Bleistifte, sondern auch über ein scharfes und kritisches Auge verfügen muss, wundert es nicht, dass er sich und sein neues Hobby aus der nötigen Distanz betrachtet: 'Ich will mir nichts einbilden und schon gar nicht, dass ich Künstler bin', sagt er lächelnd und winkt ab. Zwar ist bekanntlich 'Einbildung auch eine Bildung', doch Franz Müller lernt lieber wirklich dazu.

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