Kammlach
Neue Details über zerrüttetes Verhältnis

Nach den Turbulenzen um die Trennung vom Chefarzt der Ottobeurer Kreisklinik, Dr. Wolfgang Pflederer, und dem jetzt bekannt gewordenen Umzug der TCM-Klinik (Traditionelle Chinesische Medizin) von Ottobeuren nach Illertissen, war die Spannung beim Dreikönigstreffen der Unterallgäuer Freien Wähler besonders groß. Die Besucher wurden nicht enttäuscht.

Landrat Hans-Joachim Weirather hat neue Details zum zerrütteten Verhältnis mit Dr. Pflederer genannt. Der Kreischef bediente sich dabei eines Kunstgriffs. Er bat die Anwesenden, sich in die Rolle eines Aufsichtsratsvorsitzenden zu versetzen, der es mit allerlei Eigenmächtigkeiten eines leitenden Mitarbeiters zu tun habe.

Dreimal habe Pflederer einen Gesprächswunsch verweigert. Die Investitionsentscheidung für einen Standort - unschwer war herauszuhören, dass es um den Herzkathetermessplatz für Mindelheim geht - habe der leitende Angestellte mit der Drohung beantwortet, Mindelheim zu boykottieren. Mit Hilfe des Vorstands habe Pflederer für Ottobeuren ein Gerät für knapp eine Million Euro angeschafft. Dies sei durch keinen Beschluss des Verwaltungsrates abgedeckt. Ein zweiter Herzkathetermessplatz wäre laut Weirather faktisch durch die Hintertür geschaffen worden.

Das Gerät stehe in Ottobeuren offenbar weitgehend ungenutzt herum.

«Reißleine besser früher gezogen»

Die Berufung der beiden neuen Chefärzte habe Pflederer nicht mitgetragen. Die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung am Kreisklinikum Ottobeuren sollte Weirather nach eigenen Worten in geschönter Form erhalten. Kritische Rückmeldungen sollten aus dem Papier gestrichen werden. Fazit des Landrats: «Es wäre besser gewesen, schon früher die Reißleine zu ziehen.»

Trotz des Vergleichs, der für Pflederer eine Abfindung über 520000 Euro bedeutet, sei den Kreiskliniken laut Landrat kein Schaden entstanden. Der Grund: die neuen Chefarztverträge seien so ausgehandelt, dass der Träger der Krankenhäuser an den Privaterlösen der Mediziner partizipiere.

Die beiden Chefärzte seien auch für Ottobeuren bestellt.

Zum Umzug der TCM-Klinik sagte der Landrat, noch im Dezember habe Chefarzt Dr. Christof Weitzel mit TCM-Geschäftsführerin Sigrid Losert die Zusammenarbeit für die Folgejahre besprochen. Der Landkreis habe seit 2001 viel Unterstützung geleistet. «Da darf man erwarten, dass man vor einer Kündigung Kontakt aufnimmt».

Der Kreis habe von 2001 bis 2006 laut Weirather auf Mieteinnahmen von 280000 Euro verzichtet. Seit 2007 zahle die TCM-Klinik an Miet- und Nebenkosten 46000 Euro im Jahr. 271000 Euro seien in den Umbau investiert worden, 191000 des Darlehens noch zu bedienen. Bei der zwischenzeitlichen Insolvenz der TCM-Klinik habe der Landkreis als Teilhaber 25600 Euro eingebüßt.

Auf Nachfrage, ob die 191000 Euro nicht zurückgefordert werden könnten, sagte Weirather, dieser Vertrag sei zwischen dem damaligen Vorstand der Kreisklinken und der TCM-Geschäftsführung ausgehandelt worden. Weirather: «Das können wir vergessen.»

Thema war auch Josef Epp (CSU). Otto Weikmann sagte, die politische Kultur werde grob verletzt. Der Zustand, dass Epp als Klinikseelsorger und TCM-Anteilseigner im Verwaltungsrat der Kreiskliniken mitwirke, «ist untragbar».

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